Madagaskar: Staatskrise spitzt sich zu

26. Februar 2002, 11:59
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Selbst ernannter Präsident Ravalomanana ernennt trotz fehlender internationaler Anerkennung Regierungschef

Antananarivo - Die Staatskrise in Madagaskar hat sich am Dienstag weiter zugespitzt, nachdem der selbst ernannte Präsident Marc Ravalomanana einen Premierminister, Jacques Sylla, ernannt hat. Zwei jugendliche Anhänger Ravalomananas wurden in der im Osten der Insel gelegenen Stadt Ambatondrazaka vom Leibwächter eines Abgeordneten der Regierungspartei erschossen. Der Leibwächter schoss nach Augenzeugenberichten in eine Menge von Oppositionsanhängern, die sich dem Haus des örtlichen Abgeordneten näherte.

Ravalomananas Anhänger hatten seit Tagen Gerüchte verbreitet, der von Staatspräsident Didier Ratsiraka eingesetzte Regierungschef Tantely Andrianarivo wolle zurücktreten. Dieser hatte das jedoch bestritten. Seit einem Monat bekunden hunderttausende Demonstranten ihre Unterstützung für Ravalomanana, der die Präsidentschaftswahl Mitte Dezember gewonnen, nach amtlichen Ergebnissen jedoch die erforderliche absolute Mehrheit verfehlt hatte. Für den 24. März wurde eine Stichwahl zwischen Ravalomanana, der Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo ist, und Präsident Ratsiraka angesetzt.

Am Freitag hatte sich Ravalomanana ungeachtet internationaler Warnungen selbst zum Präsidenten ausgerufen. Als Reaktion hatte Ratsiraka den nationalen Notstand erklärt. Das öffentliche Leben in der Hauptstadt steht wegen eines Generalstreiks weitgehend still.(APA)

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