Kapsch: Polen wollen nicht zahlen

26. Februar 2002, 10:46
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Entgelt für Mautsystem Krakau wird nicht beglichen

Malmö - Mit einem empfindlichen Zahlungsausfall ist der Wiener Elektronik-Hersteller Kapsch in Polen konfrontiert. Für das Maut- und Telematiksysteme der Vor zwei Jahren eröffneten Autobahn Krakau - Kattowitz hat der polnische Kunde bisher noch keine Zahlung geleistet. Vom Gesamtauftragswert von rund 10,5 Mill. Euro (144 Mill. S) hat die Kapsch TrafficCom, der Spezialist für Mautsysteme in der Kapsch Gruppe, zwei Drittel ausgeliefert. Der Auftraggeber und Konzessionär der Mautstrecke, Stalexport, hat sich inzwischen für zahlungsunfähig erklärt und den Ausgleich angemeldet.

Das Sonderbare an der Sache ist, dass die Mautautobahn Krakau - Kattowitz in ihrer Nutzungsfrequenz weit über den Plänen liegt. Im Tagesdurchschnitt passieren 27.000 Fahrzeuge die elektronischen Mautstellen, bei den Planungen war man von 15.000 ausgegangen, sagte der Chef der Kapsch TrafficCom, Erich Toplak, vor österreichischen Journalisten.

"Kunden will nicht zahlen"

Die Firmenkonstruktion von Stalexport, die früher als Außenhandelsunternehmen der polnischen Stahlindustrie über 20.000 Beschäftigte hatte und jetzt als mehrheitlich privatisiertes Unternehmen rund 700, lässt zu, dass Kapsch als Lieferant sein Entgelt vorenthalten wird. Die Mauterlöse fließen nämlich nicht direkt an den Konzessionär, sondern an angegliederte Betriebs- und Finanzierungsfirmen.

Stalexport soll eine Ausgleichsquote von 40 Prozent angeboten haben, doch ist Kapsch unter den letztrangigen Gläubigern gereiht und könnte selbst bei einer Erfüllung des Ausgleichs leer ausgehen, wobei ein Anschlusskonkurs nicht ausgeschlossen wird. "Es ist spürbar, dass der Kunde alle Register zieht, um nicht zahlen zu müssen", sagte Toplak.

Exportgarantie der Kontrollbank

Kapsch hat für den Auftrag wohl eine Exportgarantie der Kontrollbank (mit 20 Prozent Eigenbehalt) in der Tasche, doch sitzt das Unternehmen zwischen zwei Sesseln. Ohne die Erfüllung des letzten Auftragsdrittels gilt das Geschäft für die Kontrollbank nicht als abgeschlossen. Um das letzte Drittel, den Wartungsvertrag, verhandelt Kapsch allerdings seit rund einem Jahr ergebnislos mit dem polnischen Kunden.

Hoffnung setzen die Wiener Mautspezialisten, die als Systemlieferant auch für die österreichische Lkw-Maut angeboten haben, jetzt auf eine neue Führungsgarnitur bei Stalexport, sowie eine politische Einflussnahme der neu gewählten polnischen Regierung. "Ansonsten bleibt uns nur mehr der Weg vor Gericht", sagte Toplak.(APA)

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