Computersystem ermöglicht 3D-Reise ins Körperinnere

26. Februar 2002, 09:43
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Vorteile bei der Medizinerausbildung

Eine Reise durchs Körperinnere in drei Dimensionen macht ein Computerprogramm der Technischen Universität Braunschweig möglich. Studenten der Göttinger Universitätsklinik sollen ab Sommer mit der von Medizininformatiker Michael Teistler entwickelten Software virtusMED ausgebildet werden.

Vorteile für Studenten

"Durch die dreidimensionale Darstellung werden die Studenten schneller und besser ein Verständnis für den Körper entwickeln", sagt der leitende Oberarzt der Unfallchirurgie an der Göttinger Universitätsklinik, Privatdozent Klaus Dresing.

Nicht nur für die Ausbildung

"Nicht nur in der Ausbildung, auch in der Diagnose und Operations- Vorbereitung kann das System eingesetzt werden", sagt Teistler. Neben Lehrprogrammen kann virtusMed auch individuelle Bilder von jedem Patienten in Sekunden auf den Bildschirm bringen. Dazu werden die bereits vorhandenen Daten - zum Beispiel von Computertomographien und Ultraschallaufnahmen - in dreidimensionale Darstellungen umgerechnet.

Der Clou dabei

Der Clou dabei ist, dass mit Hilfe einer virtuellen Untersuchungssonde beliebige Schnittbilder durch den menschlichen Körper erzeugt werden können. Die Beziehung von Gefäßen, Nerven, Organen und Knochen wird dadurch deutlich. Im Gegensatz zu bisherigen Systemen können diese Abbildungen auf dem Bildschirm problemlos gedreht und das Innere eines Körpers aus jedem beliebigen Blickwinkel betrachtet werden. Durch die räumliche Ansicht kann der Operateur besser erkennen, wo er den Schnitt setzen muss.

Organe oder Gelenke können zudem in Kontrastfarben auf dem Bildschirm ein- oder ausgeblendet werden. Aus einmal gewonnenen Daten simuliert das Programm beliebige Röntgenbilder. Das System kann mit einer Datenbrille gekoppelt werden, die das Körperinnere noch wirklichkeitsnäher erscheinen lässt.

Zugriff auf Datenbank des Visible Human Projects

Ursprünglich hatte Teistler virtusMed als reines interaktives Lehrsystem für Medizinstudenten programmiert. Als solches greift die Software auf die Datenbank des so genannten Visible Human Projects zurück (National Library of Medicine, USA), das Tausende Schnittansichten eines menschlichen Körpers zur Verfügung stellt. "Nur ein Arzt, der das Körperinnere genau kennt, kann zum Beispiel Ultraschall-Aufnahmen richtig anfertigen und auswerten", sagt Teistler.

"Ultraschall ist oft schwer zu interpretieren"

"Ultraschall ist oft schwer zu interpretieren", erläutert Dresing. Mit virtusMed wird seiner Meinung nach das Erlernen deutlich verbessert. Eine parallel zum Einsatz von virtusMed beginnende Studie an der Göttinger Universität soll diese These belegen.

Die Universitätsklinik Göttingen ist die erste Hochschule, die das System einsetzen wird. Teistler geht davon aus, dass seine Entwicklung in wenigen Jahren in der klinischen Diagnostik ebenso einen festen Platz einnehmen wird wie in der Medizinerausbildung. Da die Software und Basishardware mit einem Standard-PC benutzt werden kann, ist das System zudem relativ kostengünstig. Bei einem internationalen Radiologenkongress in Chicago mit 58.000 Teilnehmern überzeugte virtusMED im Dezember 2001 bereits die Fachwelt. Von 105 Neuentwicklungen wurde Teistlers als beste prämiert.(APA/Sabine Lohse/dpa)

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