Venezuela: Chavez erneut unter Druck

26. Februar 2002, 08:33
3 Postings

Luftwaffen-General fordert Rücktritt - Anfeindungen aus den Reihen des Offizierkorps nehmen zu

Caracas - Ein Luftwaffen-General hat Staatspräsident Hugo Chavez in Venezuela zum "sofortigen Rücktritt" aufgerufen. "Herr Präsident, ich rufe Sie auf, zum Wohle des Landes und aus Liebe zu den Streitkräften die Macht friedlich abzugeben und die Folgen ihres Scheiterns zu akzeptieren", sagte General Roman Gomez am späten Montagabend (Ortszeit) in der Hauptstadt Caracas. Gomez ist bereits der vierte und bisher ranghöchste Offizier der Streitkräfte, der in weniger als vier Wochen den Rücktritt von Chavez fordert.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Gomez, "sehr viele Militärs" seien vor allem mit der Korruption in höchsten Regierungskreisen unzufrieden. Die Politik des Linksnationalisten Chavez - eines früheren Oberstleutnants und Ex-Putschisten - füge dem Volk Venezuelas großen Schaden zu. Außerdem werde die wirtschaftliche Entwicklung des Öl-Landes gebremst.

Den Rücktritt von Chavez hatten zuvor der Konteradmiral Carlos Molina, der sogar jüngst zum Botschafter in Griechenland ernannt worden war, der Luftwaffenoberst Pedro Soto und der Kapitän der Nationalgarde Pedro Flores gefordert. Dabei wurde Chavez unter anderem als "Tyrann" beschimpft, und die "Wiederherstellung der Demokratie" verlangt. Molina warnte sogar vor einem "unmittelbar bevorstehendem Blutbad". Die Forderungen dieser Militärs wurden häufig von spontanen Kundgebungen unterstützt.

Nicht nur Angehörige der Streitkräfte sondern auch die Opposition, Unternehmer, Gewerkschaften, die meisten Medien und die Kirche prangern den autoritären Regierungsstil des Präsidenten an. Kritisiert werden auch die engen Beziehungen zu Kuba, Irak und China sowie die angeblich "engen Bande" zur kolumbianischen Guerilla.

Der Verteidigungsminister, der Zivilist Jose Vicente Rangel, wies die Vorwürfe der Militärs stets zurück und meinte, die Unzufriedenheit innerhalb der Streitkräfte sei politisch motiviert und auf wenige Fälle beschränkt. Luftwaffenoberst Pedro Soto wurde unterdessen in den Ruhestand zwangsversetzt.

Chavez war 1992 als Oberstleutnant mit einem Putschversuch gegen den damaligen Präsidenten Carlos Perez gescheitert. Er musste deshalb zwei Jahre hinter Gittern verbringen. Durch einen überragenden Wahlsieg Ende 1998 kam er dann doch an die Macht. Sein Versprechen, die Lage der Armen zu verbessern, löste er laut Kritiker nicht ein. Erschwert wird die Arbeit der Regierung von einer Finanzkrise und dem Rückgang der Erdölpreise.(APA/dpa)

Share if you care.