"Der Mann in Schwarz"

25. Februar 2002, 20:39
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Johnny Cash - King of Country Music - wird 70. Auch für die junge Rock-Generation ist der Sänger zu einer Kultfigur geworden.

Frankfurt/Main - Mit fast 50 Jahren im Musikgeschäft ist Johnny Cash längst zu einer lebenden Legende geworden. Zusammen mit Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins schuf er den Rockabilly, eine Synthese aus harter Country Music und Rythm and Blues. In den 60er Jahren war er mit seinen Songs, in denen er sich für die Unterprivilegierten einsetzte, der erste zornig-kritische Country-Sänger. In den 90er Jahren schaffte Cash nach mehrjähriger Funkstille ein glänzendes Comeback. Am Dienstag wird der King of Country Music 70 Jahre alt.

Mittlerweile hat eine neue Fangemeinde den Sänger mit der charakteristischen rauen Stimme für sich entdeckt. Für die junge Rock-Generation ist Cash zu einer Kultfigur geworden. Es war schließlich auch der Star-Produzent von HipHop-Guru Rick Rubin, der ihm 1994 zu seinem Comeback verhalf. Mit ihm produzierte Cash seither drei vielbeachtete Alben ("American Recordings" 1994, "Unchained" 1996 und "Solitary Man" 2000). Alle drei brachten ihm jeweils einen Grammy ein.

Wegbereiter der Alternativ-Bewegung

Dem künstlichen Nashville-Sound mit der Fliesbandproduktion hat er damit endgültig den Rücken gekehrt. Neben Willie Nelson und dem vor knapp zwei Wochen gestorbenen Waylon Jennings ist Cash einer der Wegbereiter der Alternativ-Bewegung in der Country-Szene. Er gilt als der erfolgreichste Country-Sänger der USA. Cash setze die Maßstäbe in der Country Music, sagte Kollege Kenny Rogers einmal.

Ehrungen

Cash ist zehnfacher Grammy-Gewinner; einen dieser Preise bekam er 1999 für sein Lebenswerk. Daneben erhielt er sechs Mal eine Auszeichnung der Country Music Association. 1980 wurde Cash in die Ruhmeshalle der Country Music (Country Music Hall of Fame) aufgenommen und 1992 in die Rock and Roll Hall of Fame. Bis zur Aufnahme von Elvis Presley in die Country Music Hall of Fame 1998 war Cash der einzige, dem beide Ehrungen zuteil wurden.

Cash wurde 1932 in Kingsland im Südstaat Arkansas geboren und wuchs zusammen mit sechs Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Die ersten Schritte zu seiner musikalischen Karriere machte er Anfang der 50er Jahre als US-Soldat in Deutschland, wo er bei einer Luftwaffeneinheit im bayerischen Landsberg stationiert war. Zwei seiner populärsten Songs, "Folsom Prison Blues" und "I Walk The Line", schrieb er in Deutschland. Außerdem gründete er eine Country-Band, die Landsberg Bavarians.

Rockabilly

Nach der Entlassung aus der Armee ging Cash nach Memphis und schlug sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch. Mit einem Plattenvertrag bei Sam Phillips legendären Sun Records, wo auch Presley unter Vertrag war, begann dann 1955 seine steile Karriere. Mit der Gruppe Tennessee Three veröffentlichte Cash am 21. Juni 1955 seine erste Single mit den Songs "Hey Porter" und "Cry, Cry, Cry", die in ihrer Verbindung aus Rock und Country so typisch für Cash waren. Diesem Stil ist er bis heute verbunden. "Ich bin einfach ein Rockabilly", sagte Cash voriges Jahr der Nachrichtenagentur AP.

1958 wechselte er zu Columbia Records, wo er bis 1987 unter Vertrag stand und zum Superstar aufstieg und die Country Music auch in Europa populär machte. Cash, wegen seiner dunklen Kleidung "der Mann in Schwarz" genannt (auch Titel seiner Autobiografie und einer seiner Songs), beschreibt in vielen seiner Lieder das Leben der kleinen Leute, der Unterprivilegierten, der Minderheiten. Er trat kostenlos in Gefängnissen auf; am bekanntesten sind seine Konzerte in den Zuchthäusern von San Quentin und Folsom in Kalifornien, von denen es auch Alben gibt. Mit beiden Alben überflügelte Cash 1969 in den Verkaufszahlen sogar die Beatles.

Neue Einspielungen

Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit gibt Cash keine Konzerte mehr und beschränkt sich nur noch auf die Arbeit im Plattenstudio. "Ich konzentriere meine Zeit und Energie jetzt darauf, Songs für meine Alben zu schreiben und aufzunehmen", sagte er kürzlich. Zurzeit arbeitet er an einem vierten Album mit Rubin. Verheiratet ist Cash in zweiter Ehe seit 1968 mit June Carter, einer Tochter von Maybelle Carter, die mit der Carter Family in den 30er und 40er Jahren Country-Geschichte schrieb. (APA)

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