"Pristina, bitte kommen!"

25. Februar 2002, 20:07
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Globales Seminar will Studierende vernetzen und Konflikte verhüten

Paris, Pristina, Wien, München, New York - ein globales Onlineseminar bringt Studenten und lokale Initiativen zum Diskutieren. Ziel der Übung: Versöhnung und Konfliktverhütung auf dem Balkan.

Colette Mazzucelli hat einen Traum: eine Welt frei von kriegerischen Auseinandersetzungen. Die New Yorkerin, die an Thinktanks in ihrer Heimatstadt und in Paris Konfliktlösung lehrt, meint, dass Computer und Internet sie ihrem Ziel näher bringen werden: "Menschen auf dem Balkan haben durch das Internet die Möglichkeit, an Diskussionen mit Interessierten aus der ganzen Welt teilzunehmen. Das Schlimmste für junge Menschen ist ja das Gefühl, dass sich niemand um ihr Schicksal kümmert."

Deshalb sitzen bis zu 40 Studierende jede Woche in mindestens vier Städten in ihren Seminarräumen und tauschen sich online aus, haben Videokonferenzen zu Konfliktlösungsstratgien und hören prominenten Gastrednern zu.

Dazu kommen andere interaktive Übungen wie echte Konferenzen. "Bisher ausgeschlossene Menschen sind nun in den Dialog eingebunden", sagt Mazzucelli, die das Seminar 1999 gegründet hat. Heute wird es von bekannten Institutionen getragen: Zentrum für Angewandte Politik der Uni München, Institut d'Etudes Politiques de Paris, Carnegie Council New York, Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut und Kosova Action for Civic Initiatives.

Inzwischen haben die Studierenden, die Interesse an Konfliktprävention haben, Netzwerke gebildet. - Für Mazzucelli ist dieser lebenslange Dialog unter Teilnehmern der einzige Weg, um künftige Konflikte zu verhindern: "Mehr denn je glauben Politiker, mit militärischer Stärke Probleme lösen zu können. Das Seminar bietet eine Alternative zu dieser Denkweise."

Das Interesse im Kosovo und allgemein auf dem Balkan ist groß. Dennoch: Manchmal fällt in Pristina einfach der Strom aus, manchmal brechen auch die Leitungen zwischen Paris und New York zusammen. Colette Mazzucelli arbeitet laufend an technischen Verbesserungen. Bis zu deren Umsetzung wird sie mit ihren Studierenden aber wohl noch öfter "Pristina, bitte melden!" in das Mikrofon sprechen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 2. 2002)

Von STANDARD-Mitarbeiter Matthias Wabl

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