Benes-Dekrete: Tschechische Botschaft ortet "Manipulation"

25. Februar 2002, 19:57
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Wiener Vertretung verwehrt sich gegen Berichterstattung über Massaker von Lidice

Wien - Die tschechische Botschaft in Wien hat auf die "Manipulation historischer Fakten in Teilen der österreichischen Presse" aufmerksam gemacht, die mit der nazideutschen Okkupation zusammenhängen. So habe die "Neue Kronen-Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 3. Februar die Auslöschung der tschechischen Gemeinde Lidice im Juni 1942 "dreißig tschechischen Gendarmen der Prager Ordnungspolizei" zugeschrieben. In den Reihen der für das Massaker verantwortlichen deutschen Schutzpolizei und unter den Gestapo-Angehörigen habe es keine Tschechen gegeben, stellte die Botschaft am Montag in einer Presseaussendung fest. Schon nach den NS-Vorschriften wäre dies unmöglich gewesen.

Vielmehr seien Namen von Österreichern und Sudetendeutschen archivarisch dokumentiert, die sich in deutschen Uniformen an diesem weltbekannten Massaker beteiligten, erklärte die Botschaft. Zu den Österreichern gehörten u.a. Heinrich Berger, der stellvertretende Gestapo-Chef in Prag, oder die Gestapo-Mitglieder Franz Brüxel und Hans Homolka. Was den Führungskader der "Schupo" betrifft, handelt es sich um Karl Opolzer und Franz Reinthaler. Sudentendeutsche waren u.a. die Gestapo-Männer Rudolf Aust, Willibald Bürger, Oskar Felkl, Walter Forster und Guido Skalak.

Auch das Wochenblatt "Zur Zeit" vom 8. Februar sei der Überzeugung, dass in den Jahren des deutschen "Protektorats" Tschechen weder vertrieben, noch enteignet wurden. Auch wenn man die Frage der Vertreibung von 193.270 Tschechen durch die deutschen Nationalsozialisten in den okkupierten Gebieten nach dem 1. Oktober 1938 gänzlich verschweige, könne man wohl nicht die Tatsache leugnen, dass allein zwischen März 1942 und April 1943 37.000 Personen aus dem Raum westlich der Moldau und südlich der Sazava ausgesiedelt wurden, um Truppenübungsplätze für Waffen-SS und Wehrmacht zu schaffen. "Die letzte Aussiedlung im Sinne 'deutscher Kolonisten' spielte sich im letzten Kriegsjahr nördlich von Prag ab", heißt es in der Botschaftsmitteilung.(APA)

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