Vom STANDARD befragte Experten offen für Präimplantationsdiagnostik

25. Februar 2002, 19:39
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"Ich würde es machen, wenn ich damit dem andern helfen kann"

Wien/Bregenz/Graz - Der todkranke britische Bub, der nun zwecks Nabelschnur-Stammzellspende ein Retorten-Geschwisterl bekommen soll, beschäftigt auch Ethiker und Fortpflanzungsmediziner in Österreich. Die geplante Therapie erfordert ganz bestimmte Blutparameter. Da diese statistisch nur jedes vierte Baby des Paares aufweist, wird mittels Präimplantationsdiagnostik (PID) vorselektiert.

Dass die PID in Österreich verboten ist, stört Fortpflanzungsmediziner wie Herbert Zech in Bregenz. "Ich würde es machen, wenn ich damit dem andern helfen kann." Grundsätzlich sei er "dafür, dass man die PID für genetische Erkrankungen machen darf". Einschränkung: "Ich würde selbstverständlich keinen Embryo zeugen, der für den Zweck der Transplantation geopfert werden muss."

Die PID an sich, findet Ina Wagner, Technikfolgen-Expertin der TU Wien und Mitglied der Ethikkommission, habe "nicht jedes Mal so dramatische Entscheidungen zur Konsequenz". Wagner favorisiert eine "behutsame Lockerung" des heimischen PID-Verbots für Entscheidungen von Fall zu Fall - "mit ganz intensiven Begleitmaßnahmen und einer genauen Analyse auch der Ärzteinteressen".

Werner Linkesch, jener Transfusionsmediziner in Graz, der, wie berichtet, kürzlich Leukämie mit Nabelschnur-Stammzellen therapiert hat, "kann nichts Schlechtes" am britischen Fall finden. Aber nur "als Ausnahme mit strengsten Auflagen, etwa eine intakte Familie. Es kann nicht sein, dass man Designerkinder macht."

Die entstehenden "überzähligen" Embryonen sollten "nicht weggeworfen, sondern der Forschung zur Verfügung gestellt werden", meinen Zech und Wagner unisono. Auch die Adoption sei eine Option. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 2. 2002)

Von Roland Schönbauer
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