Juanito und das Dope

26. Februar 2002, 22:16
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A-Test und B-Test. Langlaufwettbewerbe. IOC-Dopingkontrollen. Zum Schluss konnte ich doch noch kurz Interesse für Olympia aufbringen ... - 26. Februar 2002

Johann "Juanito" Mühlegg, der Deutsche in Spanien, dem nun fürs Erste die Goldmedaille für 50 Kilometer Suizid-Langlauf wegen kleinerer oder größerer "Mother's little helpers" aberkannt wurde, saß also nach Mitternacht im ZDF-Studio in Salt Lake City und gefiel sich in einer Interviewtenrolle, die man so sonst nur von heimischen Regierungsmitgliedern in Opposition gekannt hat.

Auf klare, eindeutige Fragen seitens eines moralisch tief enttäuschten ZDF-Reporters ("Haben Sie gedopt? Millionen Deutsche erwarten sich Antworten!") gab Mühlegg Sätze wie diese zu Protokoll: "Das kann man so nicht sagen, der A-Test war positiv, aber man muss jetzt den B-Test abwarten."

Zumindest wurde offenbar, dass die spanische Olympia-Delegation zwar bei der medizinischen Betreuung gespart hat. Immerhin verpflichtete sie für Mühlegg jene "Fachleute", die schon einmal bei der Tour de France zu trauriger Berühmtheit gelangt sind.

Medientechnisch gesehen wurde hier allerdings erstklassige Beratungsarbeit geleistet: "Mir bleiben ja immer noch meine anderen zwei Goldmedaillen. die kann mir niemand nehmen." Der Rest war derart verklausuliert, dass man sich nach dem Interview nicht mehr daran erinnern konnte, was eigentlich zuvor gefragt wurde. Abschlusssatz des Reporters: "Ja, gehen Sie jetzt nur zum Abschluss durchs Bild ab. Auch schon egal." (schach/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26. Februar 2002)

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