Kreativer Kopierladen

25. Februar 2002, 19:22
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Der für einen Oscar nominierte Wiener Filmemacher Virgil Widrich ist mit Multimediaproduktionen erfolgreich

Wien - "Wir sind in erster Linie Kreative, trotzdem wir einen wirtschaftlichen Focus haben. Sobald man aber einen Risikokapitalgeber hat oder an der Börse notiert ist, unterliegt man andauernd einem Rentabilitätszwang", sagt Virgil Widrich.

Seine beiden Unternehmen sind dementsprechend ohne Fremdkapital: Die Virgil Widrich Film- und MultimediaproduktionsgesmbH gehört ihm alleine; die checkpointmedia AG hat er zusammen mit einem Team von Experten erst vor einem Dreivierteljahr gegründet. Trotzdem sind beide Start-ups an der Schwelle zur Profitabilität. Die Mitarbeiterzahl in den beiden Firmen richtet sich je nach der Auftragslage.

Preisregen

Mit "Copyshop", dem Film, der heuer in der Kategorie Best Short Film/Life Action nominiert wurde, hat der 34-Jährige bereits 23 Preise gewonnen; der Film wurde bei über hundert Festivals gespielt.

Es gebe, erklärt Widrich, auch aufgrund von (Privat-) Fernsehen einen interessanten Markt für Kurzfilme. "Copyshop" - in dem Sechsminüter vervielfältigt sich eine Person, bis sie die Welt übervölkert - wird nun in den USA auch auf DVD herauskommen.

In der checkpointmedia AG sind Multimediaaktivitäten mit dem Schwerpunkt Audio-und Videotechnik gebündelt. Nachdem das Unternehmen für Hardware, Audio- und Videotechnik verantwortlich zeichnete, hat es auch gleich seine Zelte im Wiener Haus der Musik aufgeschlagen. Im Museumsbereich, glaubt Widrich, liegt für checkpointmedia eine große Zukunft: "Die Museen müssen alle revitalisieren. Da brauchen sie Audio- und Video-Know-how."

Web-Geschäftsbericht

Das jüngste Produkt von checkpointmedia: eine Software namens Genesto, mit der es börsenotierten Unternehmen möglich wird, multimedial aufbereitete Geschäftsberichte schnell (nämlich innerhalb von ein paar Tagen) ins Web zu stellen. Widrich: "Bisher mussten Unternehmen ihren Geschäftsbericht mit PDF-File auf ihrer Webpage veröffentlichen. Ein PDF-File hat aber den Nachteil, dass es statisch ist. Mit Genesto kann sich der Aktionär die Daten zusammenstellen, die er will." Als ersten Kunden konnten die Experten immerhin DaimlerChrysler gewinnen, die den letzten Geschäftsbericht vor ein paar Tagen mittels Genesto online publizierten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 26.2.2002)

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