"Ich war nudelfett, Herr Rat"

25. Februar 2002, 16:11
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Steirischer Bordellbesitzer wegen Mordes vor Gericht - kann sich an nichts erinnern

Graz - Ein steirischer Bordellbesitzer stand am Montag im Grazer Straflandesgericht wegen Mordes und Mordversuches vor einem Geschworenengericht. Der Fall hatte großes Aufsehen erregt, als der Verdächtige Ende August vorigen Jahres wegen eines Formfehlers vorzeitig aus der Untersuchungshaft entlassen werden musste. Er soll im Jänner 2001 einen Konkurrenten im Rotlichtmilieu schwer verletzt und den Kellner der Bar erschossen haben. Mitangeklagt ist jener Mann, der ihn zum Tatort chauffiert hatte. Ein Urteil wird nicht vor Mittwoch erwartet.

Tathergang

Werner R. (45) bekannte sich als nicht schuldig. Seinen eignen Aussagen zu Folge kann er sich an so gut wie gar nichts erinnern, da er zum Tatzeitpunkt volltrunken und im Kokainrausch gewesen sein will. In der Nacht auf 7. Jänner 2001 soll der Angeklagte den Besitzer eines Nachtclubs in Paurach schwer verletzt und den Kellner des Etablissements aus nächster Nähe erschossen haben. "Das war eine massive Hinrichtung", erklärte Staatsanwalt Wolfgang Fauland.

"Ich war nudelfett, Herr Rat"

Zur Tat selbst konnte Werner R. nur eingeschränkt befragt werden. "Ich war nudelfett, Herr Rat", erklärte er vor Gericht. Er habe vorher zahlreiche Whisky-Cola getrunken, bevor er zur Bar seines Konkurrenten gefahren war. "Wir wollten nur einen Lokalwechsel vornehmen", begründete er sein Erscheinen im Nachbarbordell. Dort sei jemand "mit wutverzerrtem Gesicht" auf ihn zugekommen. Was dann geschah, daran konnte er sich nicht einmal in Ansätzen erinnern.

Kann sich an nichts erinnern

"Die beiden waren besoffen und mit Kokain voll gepumpt", erklärte Verteidiger Franz Insam. Werner R. fühlte sich jedenfalls bei seiner Befragung "nicht schuldig". An den Abend selbst konnte er sich nur bruchstückhaft erinnern. Es war ihm nach eigenen Angaben schon längere Zeit nicht sehr gut gegangen. Sein Betrieb war in Konkurs, die Freundin hatte ihn samt dem gemeinsamen Sohn verlassen. Mit Frauen hatte er auch bisher kein Glück: Beide Ehefrauen, die als Prostituierte tätig gewesen waren, wurden brutal ermordet. R. war im Zusammenhang mit dem zweiten Mord einvernommen worden, nachgewiesen konnte ihm jedoch nie etwas werden.

Zweitangeklagter fühlt sich unschuldig

Auch der Zweitangeklagte, Gennaro W. (25), musste sich wegen versuchten Mordes verantworten. Er fühlte sich ebenfalls nicht schuldig. Werner R. habe ihn mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ihn zum Tatort zu fahren. Er sei selbst völlig betrunken gewesen und wäre freiwillig niemals in ein Auto gestiegen. "R. hat geschossen, ich war beim Auto. Dann habe ich nur geschaut, dass ich so schnell wie möglich wegkomme", erklärte er vor Gericht.

Der Prozess wird am Dienstag mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt. (APA)

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