Pestizide auch in Erdbeeren und Salat

26. Februar 2002, 06:53
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Brisante neue Global-2000-Labortests, auch das Gesundheitsministerium untersucht

Wien/Graz - Gestern im Supermarkt: "Beste Qualität: Italienischer Kopfsalat, ein Stück Klasse I, 0,99 €". Was sonst so alles im Güte-I-Salat drinnen ist und am Warenschild nicht draufstand, hat die Umweltorganisation Global 2000 am Montag veröffentlicht. Auch der Vitaminspender Salat ist demnach mit gesundheitsschädigenden Pestiziden kontaminiert.

Aber nicht allein der Salat: Neueste Labortests ergaben, dass auch Erdbeeren, Gurken, Tomaten und Trauben zum Teil stark mit Pestiziden verseucht sind. Die vor kurzem in den Supermarktketten entdeckten "Pestizid-Paprika" seien "offenbar nur ein erster Hinweis auf einen systematischen Missbrauch von Pestiziden gewesen", sagte Global- 2000-Mediziner Klaus Kastenhofer am Montag im Gespräch mit dem Standard.

Allein bei den untersuchten Erdbeeren war keine einzige Probe pestizidfrei. In einem Fall war der Grenzwert überschritten. Es sind nach Angaben Kastenhofers auch Pestizide verwendet worden, die in Österreich verboten sind.

Die Ergebnisse der neuen Lebensmitteluntersuchungen seien diesmal "besonders erschreckend", sagt Kastenhofer. In den in fünf Wiener Supermärkten gekauften Tomaten befanden sich laut Test neun unterschiedliche Pestizide, darunter Cypermethrin, das von der WHO (World Health Organisation) als "hochgefährlich" eingestuft werde. Auch Cypermethrin greife in das Hormonsystem ein, betont der Mediziner. Krebserregende Substanzen seien wiederum in Trauben aus Südafrika und Südamerika, in Gurken aus Griechenland und Italien, in Erdbeeren aus Spanien sowie in Salat aus Italien gefunden worden. Wobei Grenzwerte speziell bei den hormonell wirksamen Pestiziden, "eigentlich keine Rolle spielen", sagt Kastenhofer. "Man weiß, dass diese Substanzen sogar noch stärker wirken können, wenn sie in kleinen Konzentrationen vorkommen. Eine US-Forschergruppe berechnete jedenfalls bereits, dass mit rund 6000 zusätzlichen Krebsfällen bei den derzeitigen amerikanischen Vorschulkindern wegen des Verzehrs von pestizidbelastetem Gemüse und Obst zu rechen ist."

Auch Haupt untersucht

Auch Gesundheitsminister Herbert Haupt lässt seit drei Wochen "intensiv" Obst und Gemüse untersuchen. Jede Stichprobe werde gezielt auf Pestizide hin analysiert. Fündig wurden seine Experten noch nicht. Haupt-Sprecher Gerald Gross: "Die Ergebnisse waren alle unbedenklich. Alle Werte lagen unter den Grenzwerten. Wenn es natürlich andere Hinweise gibt, werden wir denen nachgehen." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2002)

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