Immer weniger EU-Arbeitnehmer zu Auslandseinsatz bereit

25. Februar 2002, 14:55
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USA und Spanien bevorzugte Ziele

Frankfurt - Trotz des EU-weit steigenden Bedarfs an mobilen Arbeitskräften sind immer weniger Arbeitnehmer bereit zu einem Einsatz im Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Nur 17 Prozent der Befragten in acht europäischen Ländern zeigten demnach Interesse, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Dabei handelte es sich überwiegen um sehr junge Arbeitnehmer mit wenig Berufserfahrung.

Führungskräfte und erfahrene Mitarbeiter sind hingegen rar: Nur sechs Prozent derjenigen, die im Ausland arbeiten wollen, sind demnach Führungs- oder Fachkräfte.

Dieses Missverhältnis gefährde auf längere Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union, heißt es in der Studie. Fast die Hälfte (45 Prozent) der europaweit rund 400 befragten Unternehmen und 22 multinationalen Konzerne gibt an, schon heute Schwierigkeiten zu haben, erfahrene Führungskräfte und Mitarbeiter zu finden und einzustellen.

Ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besteht demnach auch in Deutschland: Während 64 Prozent der deutschen Unternehmen angeben, dass Mobilität eine wichtige Eigenschaft für Führungskräfte sei, sind nur 14 Prozent aller befragten Deutschen überhaupt an einem Auslandseinsatz interessiert. Nur 19 Prozent davon seien Führungskräfte. Bevorzugte Ziele der Deutschen sind demnach USA, Spanien und Australien. Innerhalb der gesamten EU gehören neben Spanien auch Frankreich und Italien zu den beliebtesten Ländern für Auslandsaufenthalte. Deutschland wiederum ist Wunschziel Nummer eins für Arbeitnehmer vor allem aus Polen, Ungarn und Tschechien.

Der Studie zufolge rechnen über 70 Prozent der europaweit befragten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren mit einem steigenden Bedarf an flexiblen, mobilen Arbeitnehmern. Rechtliche Barrieren innerhalb der EU behindern aus Sicht zahlreicher Firmen allerdings die Mobilität. Sie beklagten vor allem das Fehlen von einheitlichen Regelungen zum Arbeitsrecht, unterschiedliche Steuer- und Sozialsysteme sowie über Zuwanderungshindernisse. Auch mangele es häufig an Arbeitsplätzen für Ehepartner und an Sprachkenntnissen.

Arbeitnehmer in Europa werden laut Untersuchung vorrangig durch ein höheres Gehalt und einen verbesserten Lebensstandard motiviert, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Erfahrungen im Umgang mit einer anderen Kultur, die Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen und weitere berufliche Qualifikationen sind demnach nur zweitrangig. Für die Studie "Managing mobility matters - a European perspective" befragte PricewaterhouseCoopers Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Spanien und der Tschechischen Republik.(APA)

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