"Österreich-Lösung" mit E.ON vorstellbar

25. Februar 2002, 14:39
posten

Vorstandssprecher Haider: "Wir haben nichts zu verschenken" - Verbund verhandelt "konstruktiv"

Wien - Eine österreichische Stromlösung und die Kooperation mit dem deutschen Energiekonzern E.ON ist für den Verbund-Vorstand kein Widerspruch. "Ich sehe keinen Konflikt zu einer Österreich-Lösung", sagte Verbund-Vorstandssprecher Hans Haider am Montag in der Bilanzpressekonferenz. Der Verbund habe aber nichts zu verschenken. Aufgabe des Vorstands sei es, den Wert des Unternehmens zu steigern. Es würden alle Optionen geprüft - eine Österreich-Lösung, eine Stand-Alone-Variante, die geplante Wasserkraft-Ehe mit E.ON und eine Kombination. Die beste Lösung sei jene, die dem Unternehmen Ertragssteigerungen bringe.

Der Verbund werde bis Ende April eine sinnvolle Lösung verhandeln, "dann ist zu entscheiden", so Verbund-Aufsichtsratschef Erhard Schaschl. Man habe mehrere Optionen.

"Konstruktiv hineingegangen"

In die Gespräche mit den österreichischen EVU sei der Verbund "konstruktiv hineingegangen", es gebe auf beiden Seiten das Bemühen, Werte zu schaffen, so Finanzvorstand Michael Pistauer, der gemeinsam mit Marketingvorstand Johann Sereinig im Verhandlungsteam mit den Vertretern der Landes-EVU sitzt. Es seien beide Allianzen "verbindbar". Gesprochen werde mit den Österreichern über alle Wertschöpfungsstufen.

Dem Verbund könnte die Österreich-Kooperation im Handel sowie bei Großkunden Ersparnisse bringen, gleichzeitig müsse es aber zu Verbesserungen auf der Erlösseite kommen, so Haider. Es könnten im Absatzbereich möglicherweise Lösungen zu Stande kommen, die für alle eine "win-win-Situation" brächten.

Höhere Preise im Ausland

Der Verbund könne im Ausland derzeit höhere Preise erzielen als im Inland. Früher habe man lediglich Überschussstrom zu "Spottpreisen" exportieren können. Der durchschnittliche Stromerlös sank im Vorjahr im Inland von 26,8 Euro je MWh auf 24,3 Euro/MWh, während es im Ausland einen Anstieg von 21,8 Euro/MWh auf 24,4 Euro/MWh gab. Der Verbund könnte derzeit bereits mehr Strom verkaufen als er erzeugt. "Wir sind heuer ausverkauft", man habe bereits Abschlüsse bis 2004, sagte Sereinig. Das Problem sei mittlerweile, dass der Verbund zuwenig Strom erzeuge.

Haider betonte heute, dass bei der European Hydro Power (EHP), dem geplanten Wasserkraft-Joint Venture mit E.ON, der Verbund mit 63 Prozent die Mehrheit halten werde. Durch die Konsolidierung der EHP in die Verbund-Bilanz könne der Umsatz um 15 Prozent, das Ergebnis um 25 Prozent gesteigert werden. Ein eventueller Verzicht auf einen solchen Umsatz- und Ergebnisanstieg sei nicht unproblematisch. Anlagen und energetische Nutzungsrechte am Wasser blieben weiterhin in der Verbund-Wasserkrafttochter Austrian Hydro Power (AHP), die zu 80 Prozent in die EHP eingebracht werden soll, die E.ON würde die E.ON Wasserkraft GmbH zu 100 Prozent einbringen. (APA)

Share if you care.