Dominanz der männlich besetzten Werte

5. März 2002, 17:33
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Studie: Frauen in Spitzenpositionen vertrauen nicht auf "soft skills" - Herausforderung reizt mehr als Macht

Berlin - Entgegen der vorherrschenden Meinung setzen Frauen in Führungspositionen eher auf männlich besetzte Eigenschaften statt auf sogenannt typisch weibliche Stärken wie Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Das geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Untersuchung der Beraterfirma Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz hervor.

Frauen in Spitzenpositionen verdankten ihren Erfolg demnach aus eigener Sicht neben ihren unternehmerischen und analytischen Fähigkeiten vor allem ihrer Entschluss- und Durchsetzungskraft. Die so genannten "soft skills" als weiblich geltende Eigenschaften landeten hingegen auf den unteren Plätzen der Skala.

Gründe für die geringe Quote

Grundsätzlich ist der Anteil weiblicher Führungskräfte immer noch sehr gering, vor allem in der freien Wirtschaft und an den Hochschulen. Mehr als ein Fünftel der von Accenture befragten Karrierefrauen sehen die männerdominierte Kultur am Arbeitsplatz als größtes Hindernis auf ihrem Weg nach oben. Aber auch der Mangel an weiblichen Vorbildern und Mentorinnen rangiert auf der Skala der wichtigsten Hindernisse ganz oben. Als weiteres zentrales Problem nannten die Frauen die schwere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Triebfeder einer homogenen Masse: Herausforderung

Laut Studie zählt der Machtaspekt unter Frauen, mit Ausnahme der Politikerinnen, allerdings nicht viel. So gaben 77 Prozent der Befragten an, vor allem durch die "intellektuelle Herausforderung" motiviert zu werden. Damit einher geht der Wunsch, "etwas Sinnvolles zu tun" (61 Prozent). Grundsätzlich stellen Führungsfrauen eine homogene Alters- und Bildungsschicht dar: 77 Prozent sind zwischen 31 und 50 Jahre alt, etwa genauso viel verfügen über einen Universitätsabschluss.

Infrastruktur wichtig

Die meisten weiblichen Spitzenkräfte sehen die Ganztagsbetreuung für Kinder und flexible Arbeitsverhältnisse als wichtige Karrierevoraussetzung. Immerhin haben 44 Prozent der Frauen in Führungsrollen Familie und Kinder. Für die Studie, die anlässlich der Konferenz "World.Women.Work" vorgestellt wurde, befragte das Unternehmen Professorinnen, Bundestagsabgeordnete, Geschäftsführerinnen, Nationalrätinnen und selbstständige Unternehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach maßgeblichen Karriereschrittmachern.
(APA/AFP)

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