Alexander Meng zum Thema: Akupunktur gegen Potenzstörungen

4. März 2002, 13:22
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Akupunktur heißt die fernöstliche Alternative zu Viagra und Co. Die chinesische Heilmethode wird nun auch im Westen erfolgreich zur Behandlung von Potenzstörungen eingesetzt. Prof. Alexander Meng, Leiter der Schmerz- und Akupunkturambulanz am Wiener Krankenhaus Lainz, verrät Details im Interview mit mymed.cc.

Das Interview führte Peter Seipel

mymed: Herr Professor Meng, nach Schätzungen leiden in Österreich etwa 500.000 bis 800.000 Männer an erektiler Dysfunktion. Kann ihnen die Akupunktur helfen?

Meng: In vielen Fällen ja, sofern es sich um Funktionsstörungen handelt und keine organischen Ursachen dahinter stecken. Bevor mit einer Akupunkturbehandlung begonnen werden kann, muss der Arzt Erkrankungen wie zum Beispiel eine durch Diabetes verursachte Neuropathie oder eine Gefäßerkrankung im Rahmen einer gründlichen Untersuchung ausschließen.

mymed: Welche Störungen sind mit Akupunktur behandelbar?

Meng: Die chinesische Medizin versteht den Körper als energetisches System, das von der Lebensenergie Chi entlang bestimmter Meridiane durchströmt wird. Störungen im Energiefluss haben auch Störungen der entsprechenden organischen Funktionen zur Folge. Im konkreten Fall sind Potenzstörungen oft auf eine Schwäche im Bereich des Nierenmeridians zurückzuführen. Viele Männer mit Erektions- und Orgasmusstörungen leiden gleichzeitig an Kreuzschmerzen, Kältegefühlen in den Beinen, leichter Ermüdbarkeit und einer Neigung zu depressiven Verstimmungen. Davon können durchaus auch junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren betroffen sein. Ein Indiz dafür, dass es sich um eine mit Akupunktur behandelbare Störung handelt, ist es auch, wenn ein Patient auf das Medikament Viagra gut anspricht.

mymed: Welche Vorteile hat die Akupunktur gegenüber der westlichen Schulmedizin?

Meng: Die westliche Schulmedizin hat für die Behandlung von Potenzproblemen nur ein sehr begrenztes Repertoire zur Verfügung. Da gibt es einige wenige Medikamente, eine Injektion, diverse Prothesen und die Psychotherapie. Im Westen wird die Sexualität in der ärztlichen Praxis immer noch etwas verschämt behandelt, während sie gleichzeitig öffentlich sehr präsent ist. In China ist es genau umgekehrt. Dort sind die Ärzte seit Jahrhunderten auf die Behandlungen verschiedenster Sexualstörungen spezialisiert, weil die Sexualität ein wichtiger Bestandteil und Ausdruck der gesamten Vitalität eines Menschen ist. Die Akupunktur hat ebenso wie die Heilmassage, das Schattenboxen, Qui Gong oder die chinesische Pharmakologie das Ziel, die Vitalität eines Menschen und damit auch seine Sexualkräfte zu stärken.

mymed: Spricht eine Akupunkturbehandlung bei jedem Patienten mit sexuellen Funktionsstörungen an?

Meng: Wenn die Ursache die erwähnten Energieblockaden sind, dann sind die Erfolgschancen sehr hoch. Ob eine Akupunkturbehandlung wirkt, stellt sich bereits nach fünf oder sechs Sitzungen heraus. Tut sich bis dahin gar nichts, muss eine andere Therapie überlegt werden. Schlägt die Akupunktur aber an, dann lohnt sich eine Fortsetzung bis zu zwölf Sitzungen. Danach sollte das Problem behoben sein. Lässt die Wirkung nach einem halben Jahr wieder nach, empfiehlt sich eine Wiederholung der Therapie.

mymed: Was bewirkt die Akupunktur genau im Körper eines Mannes?

Meng: Durch die Nadeln werden Impulse im Segment der Nebenniere gesetzt, die eine Ausschüttung von Sexualhormonen und gefäßaktiven Hormonen anregen. Die Impulse werden von dort aus über die Nervenstränge ins Gehirn zum Hypothalamus weitergeleitet. Die Antwort des Körpers ist ein Gefühl angenehmer Wärme im Kreuz und im Unterleib. In weiterer Folge verstärkt sich die Libido ebenso wie die morgendliche Erektion, gleichzeitig werden die Beine besser durchblutet, die Kreuzschmerzen gemildert, und die allgemeine Stimmung deutlich gebessert. Die Therapie stimuliert gleichzeitig Punkte am Herzmeridian sowie am Gallenblasenmeridian, die eine Wirkung auf Seele und Psyche haben.

mymed: Wie zeit- und kostenaufwändig ist eine solche Behandlung?

Meng: Für eine erste Sitzung werden üblicherweise um die 100 Euro verlangt, jede weitere kostet zwischen 40 und 70 Euro. Nach zehn bis zwölf Behandlungen über etwa vier bis sechs Wochen sollte die Therapie abgeschlossen sein.

mymed: Welche anderen Mittel zur Stärkung der Liebeskraft kennt die traditionelle chinesische Medizin?

Meng: In der traditionellen chinesischen Pharmakologie werden teilweise Substanzen verwendet, die uns aus westlicher Sicht sehr seltsam erscheinen. Da gibt es Pulver aus Hörnern von Antilopen, Wasserbüffeln und Nashörnern, Geweihen von jungen Rehen oder Penissen von Hunden. Um diese Dinge richtig anzuwenden, muss man aber sehr gut ausgebildet sein. Ebenso muss die Herkunft der Ausgangsstoffe ganz klar und unbedenklich sein.

mymed: Von welchen exotischen Aphrodisiaka sollte man lieber die Finger lassen?

Meng: Von allen Mitteln unklarer Herkunft und von allen Rezepten, die von schlecht oder gar nicht ausgebildeten Heilern verordnet werden. Da hat man im besten Fall mit einer Placebo-Wirkung, im schlimmsten Fall aber mit einer Vergiftung zu rechnen.

mymed: Herr Professor, wir danken für das Gespräch!



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