Harter Sanierungskurs für Premiere World

25. Februar 2002, 14:10
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Abo-Kanal soll spätestens in zweieinhalb Jahren Gewinn bringen - Neuordnung des Angebots - Streit mit Bundesliga

Der neue Premiere-World-Chef, Georg Kofler, hat einen harten Sanierungskurs für den verlustträchtigen Abo-Fernsehkanal angekündigt. "Wir müssen bei Premiere radikal herangehen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" "Mit ein paar kosmetischen Änderungen schaffen wir den Umschwung nicht", fügte Kofler hinzu.

Zugleich bekräftigte der Premiere-Chef die Position des Senders im Streit um niedrige Zahlungen an die Fußball-Bundesliga. Der Liga-Verband lehnte ein Entgegenkommen jedoch ab.

Interne Maßnahmen und vorübergehend Preisnachlass

Kofler will die Kosten nicht nur mit internen Maßnahmen drastisch senken. Auch die Hollywood-Studios und die Bundesliga-Vereine sollen vorübergehend billiger liefern. "Wir können nicht für Abonnenten zahlen, die wir gar nicht haben", betonte Kofler. Kirchs Milliarden-Verträge mit Hollywood und der Bundesliga seien auf den geplanten vier Millionen Abonnenten kalkuliert, tatsächlich erreicht das Pay-TV-Angebot bislang nur 2,4 Millionen Kunden.

"Im Sommer muss Premiere World neu aufgestellt sein, um mit Beginn der nächsten Bundesliga-Saison und im Weihnachtsgeschäft durchstarten zu können", sagte Kofler. "Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben und gehen im Frühjahr dann auf unsere Rechtepartner zu." Um einen Preisnachlass durchzusetzen, beabsichtige er, der Bundesliga und Hollywood "unternehmerische Erfolgsbeteiligungen" anzubieten. "Wenn des Abofernsehen besser läuft, gibt es mehr Geld", betonte Kofler.

Für Bundesliga sind Beträge kein Thema

Der Vorsitzender des Ligaausschusses beim Deutschen Fußball-Bund, Werner Hackmann, lehnte Koflers Ansinnen ab: "Die Beträge stehen fest, für uns ist das kein Thema", sagte er ebenfalls der "Süddeutschen Zeitung". Er beharrte darauf, dass Kirch seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Vereinen erfülle, darüber hinaus sei die Liga "gesprächsbereit, wenn es um eine Anpassung des Vertrages geht". Bisher stehen der ersten und zweiten Liga laut Vertrag 400 Mill. Euro (5,50 Mrd. S) pro Saison bis Mitte 2004 zu. Hackmann sagte, Kirchs finanzielle Schwierigkeiten seien nicht das Problem der Liga. Der Medienkonzern solle sich gesund schrumpfen, dann sei er wieder leistungsfähig und könne weiter zahlen, fügte der Liga-Chef hinzu.

Neuordnung des Premiere-Angebots

Kofler kündigte zugleich eine Neuordnung des Premiere-Angebots aus bisher 30 digitalen Kanälen an: "Viele Zuschauer haben das Gefühl, sie bezahlen für Dinge, die sie eigentlich gar nicht sehen wollen." Neue von der Unterhaltungsindustrie entwickelte Decoder sollen den Empfang der Abokanäle einfacher und billiger zu machen: "Die Leidensfähigkeit der Abonnenten ist in den vergangenen Jahren genug getestet worden", sagte Kofler.

Dem Zeitungsbericht zufolge plant der Manager zudem neue Preismodelle und will zugleich den Abosender mit drei bis dreieinhalb Millionen Zuschauern über die Gewinnschwelle hieven. Mehrere tausend ausgewählte Kunden, darunter viele Prominente aus Wirtschaft, Sport und Politik müssten zudem künftig auf ihren bisher gewährten kostenlosen Zugang verzichten, kündigte Kofler an. (APA/AP)

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