Mord in Wien: Lebenslang für "Gulasch-Franzl"

25. Februar 2002, 17:21
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Paar mit Fleischschlögel erschlagen

Wien - Opfer und Täter hatten eines gemeinsam: Sie waren dem Alkohol ergeben. Doch während Albert K. (56) als Pensionist über ein regelmäßiges Einkommen verfügte und sich sein Laster leisten konnte, sah es in den Taschen von Franz K. (43) eher düster aus. Am 24. Mai 2001 dürfte es zwischen den Zechkumpanen in der Wohnung des Älteren in Wien-Fünfhaus zu einem tödlichen Streit ums Geld gekommen sein, wobei K. auch die 54 Jahre alte Freundin seines Bekannten umbrachte. Er wurde am Montag im Wiener Landesgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

"Dann hab i ihn erschlagen"

Koral, in seinem Grätzel unter dem Spitznamen "Gulasch-Franzl" so etwas eine lokale Größe, hatte in der Küche des pensionierten Installateurs zu einem herumliegenden Fleischschlögel gegriffen. "Dann hab i ihn erschlagen", erklärte der 14 Mal Vorbestrafte jetzt lapidar einem Schwurgericht. "Warum?" fragte der vorsitzende Richter Hans-Peter Januschke. "Weil er kräftiger is' als i", lautete die Antwort.

"Sexuelle Annäherung"

Albert K. wäre ihm "so durch die Haar' g'fahren", was er als sexuelle Annäherung ausgelegt habe. "Was ist daran homosexuell?" wunderte sich der Richter. "Es war eigenartig", meinte Koral, "außerdem is' er in der Unterhos'n umadumkräult." "An und für sich hat er eine Lebensgefährtin gehabt, was dagegen spricht, dass er ein Warmer war. Vielleicht wollte er Sie nur pflanzen, weil Sie eine unmännliche Frisur haben", gab der Richter dem langhaarigen Angeklagten zu bedenken.

Streit wegen Geld

Für Staatsanwalt Franz Steif lag das Motiv so und so ganz wo anders: K., seit zehn Jahren Sozialhilfe-Empfänger und notorisch pleite, hatte am Tag zuvor mit der Bankomatkarte seines Opfers 363 Euro (5.000 Schilling) behoben. Darauf ließ der Pensionist die Karte sperren. K. erbat sich eine Aussprache, die in eine tätliche Auseinandersetzung mündete.

Freundin erschlagen

Sieben wuchtige Schläge versetzte der Täter dem 56-Jährigen. Dessen Freundin hörte die Schreie des tödlich Verletzten, eilte in die Küche, worauf ihr K. mit 17 Hieben den Schädel zertrümmerte. "I war ziemlich betrunken. Es is' eskaliert. I war in Panik und hab Angst vor'm Schmalz g'habt", legte der Angeklagte ein Geständnis ab.

Brandlegung

Danach ging er in ein Lokal und stärkte sich mit einer Flasche Bier, um später mit einem Kanister Benzin neuerlich an den Tatort zurückzukehren: "I wollt die Spuren verwischen." Der Versuch, die Wohnung in Schutt und Asche zu legen, schlug fehl. Dank glücklicher Umstände kam es nur zu einem Schwelbrand, den die von einer aufmerksamen Nachbarin alarmierte Feuerwehr rasch eindämmen konnte.

Die Geschworenen sprachen Franz K. interessanterweise nicht wegen Doppelmordes schuldig. Den Angriff auf Albert K. qualifizierten sie als Totschlag. Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Verteidiger Rudolf Mayer erbat sich Bedenkzeit. (APA)

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