Liebscher: "Monetäre Visitenkarte"

28. Februar 2002, 12:02
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Ausstellung zum Schilling-Abschied: "Euro hat Langfrist-Potenzial für starke Weltwährung"

Wien - Die europäische Gemeinschaftswährung Euro ist für den Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank Klaus Liebscher "zentraler Katalysator" für die weitere ökonomische und politische Integration Europas. Der Euro habe "das Potenzial, sich langfristig zu einer starken Weltwährung zu entwickeln".

In jeder Geschichtsperiode spiegle die Gestalt des Gelds wider, wie hoch das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Institutionen sei, die das Marktsystem regulieren. Dieser Aussage des US-Notenbankchefs Alan Greenspan bei einer Ausstellungseröffnung der Fed in den USA schloss sich heute Liebscher in Wien - ebenfalls bei einer Geld-Ausstellungseröffnung - an. Stabiles Geld und ein gesundes Finanzsystem seien sowohl Voraussetzung als auch Ausdruck eines gut funktionierenden Staats- und Wirtschaftswesens, so Liebscher.

"Vertrauen in das Geld ist unverzichtbar"

Auch Österreich habe aus seinen historischen Erfahrungen gelernt, dass "Vertrauen in das Geld unverzichtbar" sei. Dass der Schilling nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Aufstieg Österreichs zu einer offenen und international konkurrenzfähigen Volkswirtschaft verbunden sei, danke man wesentlich der stabilitätsorientierten Währungspolitik, flankiert von solider Einkommens- und Strukturpolitik und "sozialem Dialog". Dadurch sei schließlich auch der problemlose Übergang in die Europäische Währungsunion gelungen. "Diese uns so vertraute Stabilitätskultur der letzten Jahrzehnte lebt nun im Euro weiter", betonte Liebscher.

Fast acht Jahrzehnte habe der Schilling die Österreicher begleitet. Vier Tage vor dem endgültigen Aus für den Schilling als gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnete Liebscher am Montag den Schilling als "unsere monetäre Visitenkarte, vom schwierigen Anfang in den 20er Jahren bis zum erzwungenen Ende 1938 und vom Neubeginn 1945 bis zum faktischen Ende am 28. Februar 2002." Liebscher zitierte den Ökonomen Joseph Schumpeter, wonach sich "im Geldwesen eines Volkes alles spiegelt, was ein Volk will, was es tut und erleidet".

Am Dienstag eröffnet im Wiener Kunsthistorischen Museum eine Ausstellung zur Geschichte des Schilling mit bisher der Öffentlichkeit kaum zugänglichen Objekten aus den Notenbankarchiven. Neben der Tradition des österreichischen Banknotendesigns - mit Entwürfen und Zeichnungen, die "das zeitgenössische Kunstverständnis" wiedergeben - gewährt die Ausstellung auch Einblicke in die bisher als Staatsgeheimnis gehütete Entwicklung und Drucktechnik in der Schilling-Produktion.(APA)

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