800.000 ÖsterreicherInnen leiden an schweren Depressionen

26. Februar 2002, 12:02
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Studie: In jeder Familie ist ein Mitglied von einer psychischen oder neurologischen Erkrankung betroffen

Saalfelden - Beim Herzinfarkt gibt's keine Scham. Doch die Erkrankungen von Psyche und Nervensystem werden in der modernen Gesellschaft noch immer beiseite geschoben. Dabei richten sie mehr Leid und mehr Schaden an als viele andere Krankheiten. So seien in Österreich allein rund 800.000 Menschen schwer depressiv - das ergibt sich aus Daten, die Sonntag Nachmittag bei der 35. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (24. Februar bis 1. März) in Saalfelden präsentiert wurde.

"Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation gibt es zumindest in jeder österreichischen Familie eine Person, die an einer mehr oder weniger schweren psychischen oder neurologischen erkrankt ist. In Österreich wird die Zahl der Menschen, die zurzeit an seiner schweren Depression leiden, auf 800.000 Personen geschätzt", erklärte zu Beginn der Tagung die Vizepräsidentin der Apothekerkammer, Dr. Christiane Körner.

Mehr Schaden als Aids oder Krebs

Die Konsequenz aus diesen Daten: Allein die Depressionen verursachen derzeit laut WHO-Zahlen mehr volkswirtschaftlichen Schaden als Aids, Krebs und bewaffnete Konflikte. Während zumindest in den westlichen Industriestaaten die vor allem durch den ungesunden physischen Lebensstil hervorgerufenen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes etc. im Mittelpunkt des Interesses stehen, sind gemäß dem Weltgesundheitsbericht 2001 die psychischen Erkrankungen an der Spitze jener Leiden, welche die meisten Fälle von Invalidität bedingen.

So steht die Depression an der Spitze der Hauptursachen für Invalidität. Bereits an fünfter Stelle liegen in dieser Liste die durch Alkoholmissbrauch ausgelösten Erkrankungen, an siebenter Stelle die Schizophrenie, am neunten Platz manisch-depressive Erkrankungen und an 13. Stelle die Alzheimer Demenzen. Im Vergleich dazu findet sich Diabetes an 20. Stelle.

Eine Begründung für das konstante Verdrängen dieser Probleme lieferte am Sonntag bei der Tagung der Grazer Psychiater und Neurologe Univ.-Prof. Dr. Johann Zapotozky: "Der Grund für den Umstand, dass die Psychiatrie immer von der Gesellschaft 'abgekanzelt' wird, liegt in einem gesellschaftlichen Dilemma. Die Psychiatrie widmet sich der Verhinderung und der Behandlung besonders jener Störungen, die von der Gesellschaft selbst verursacht werden." Das gelte für Depressionen genau so wie für das "Burn-Out-Syndrom" oder Störungen, die durch die "Auflösung der Familie" (Zapotozky) in der modernen Gesellschaft bedingt wären. (APA)

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