Aus fürs alte Rollenbild der Männer!

25. Februar 2002, 09:13
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Auch in der Tiroler Landespolitik sorgt man sich um den Nachwuchs

Innsbruck - Die Verantwortlichen in der Tiroler Landespolitik machen sich neuerdings Sorgen über rückläufige Geburtenzahlen. Zwar sinkt die Zahl der Neugeborenen österreichweit, aber in Tirol hat Landeshauptmann Wendelin Weingartner (ÖVP) eine Debatte lanciert, die wie selten zuletzt auch ideologische Versatzstücke aufweist.

Baby-Notstand

Anlass für Weingartners Besorgnis, die ihn veranlasste, einen runden Tisch mit Frauenlandesrätin Elisabeth Zanon-zur Nedden und den Chefs der Arbeiterkammer (Fritz Dinkhauser) und der Wirtschaftskammer (Hansjörg Jäger) einzuberufen, ist der erstmalige Rückgang der neugeborenen Tiroler Babys auf "unter 7000" im vergangenen Jahr. Nach vorläufigen Zahlen, an denen sich aber nach Auskunft von Landesstatistikchef Manfred Kaiser kaum Wesentliches ändern dürfte, erblickten 6742 Kinder 2001 in Tirol das Licht der Welt.

Das ist die niedrigste Zahl an Neugeborenen seit Ende des Zweiten Weltkriegs. 1948 waren es 9014, im Jahr 2000 7151. Zum Vergleich: Nur in Vorarlberg stieg die Zahl zuletzt leicht an.

Für faire Verteilung der Verantwortung für Erziehung

Das Kindergeld der blau-schwarzen Regierung bietet für Weingartner offenbar keine Garantie für eine Trendwende. Der 65-jährige vierfache Familienvater hält es viel mehr für nötig, "dass die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kindererziehung" verbessert werde, und an einer "fairen Verteilung der Verantwortung für Erziehung" gearbeitet werde. Das Rollenbild der Männer, "von dem ich zugegebenermaßen profitiert habe", müsse sich ändern.

Unterstützung von Rot und Grün

SPÖ und Grüne haben den Ball aufgenommen, lenken aber das Augenmerk auf "Versäumnisse" der ÖVP im Land. Die Innsbrucker SP-Gemeinderätin Sigrid Marinell verleiht der alten, von der VP abgelehnten Forderung nach "flächendeckender Versorgung mit ganztägigen Kinderbetreuungseinrichtungen" Nachdruck. Grünen-Abgeordnete Elisabeth Wiesmüller verweist auf die niedrigen Fraueneinkommen und sieht als Ausweg eine Grundsicherung insbesondere für Eltern mit Betreuungspflichten.

Bemerkenswert: Die Kindergeld-Partei FP ist in der Debatte nicht präsent. Dabei soll die Prämie im Westen wurzeln: Die Tiroler FP-Abgeodnete Edith Haller reklamiert die Mutterschaft des Kindergelds für sich.
(bs)

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2. 2002)

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