Israel beschießt palästinensischen Parlamentspräsidenten

25. Februar 2002, 06:19
9 Postings

Peres und Armee entschuldigen sich für Zwischenfall - Ägyptens Außenminister wirft Sharon Wortbruch vor

Ramallah/Hebron - Israelische Soldaten haben im Westjordanland den Wagen des palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Korei (Abu Ala) unter Beschuss genommen. Das gepanzerte Fahrzeug Koreis wurde nach palästinensischen Angaben am Sonntagabend am Kontrollposten Kalandia in der Nähe von Ramallah von acht Geschossen getroffen. Verletzt wurde niemand. Weil der Wagen Koreis sich dem Militärposten mit hoher Geschwindigkeit genähert habe, seien die Soldaten zunächst von einem Angriff ausgegangen und hätten in die Luft geschossen, teilte die Armee in einer Stellungnahme mit.

Die Streitkräfte bedauerten den Vorfall, hieß es weiter. Der israelische Außenminister Shimon Peres entschuldigte sich telefonisch bei Korei. Korei sei "die letzte Person in der Region, die jemand beschießen will", sagte Peres nach Angaben einer Sprecherin in dem Telefonat. Die Armee werde den Zwischenfall untersuchen und "die notwendigen Konsequenzen" ziehen.

Im Süden des Westjordanlandes wurden unterdessen drei Palästinenser verletzt, als ein Unbekannter Schüsse auf einen Reisebus abgab. Unter den Verletzten waren ein Zwölfjähriger und der Fahrer, wie das Krankenhaus mitteilte. Der vollbesetzte Bus war auf dem Weg von Bethlehem nach Hebron. Das israelische Militär bestätigte Schüsse im Gebiet von Halhul bei Hebron. In den vergangenen Tagen hatten jüdische Siedler in der Umgebung von Hebron wiederholt das Feuer auf Palästinenser eröffnet.

"Aggressive Politik" gegen die Palästinenser

Ägypten hat dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon Wortbruch vorgeworfen. Die Fortsetzung des Hausarrestes von Palästinenserpräsident Yasser Arafat bedeute einen Rückschritt gegenüber früheren Ankündigungen Sharons, erklärte der ägyptische Außenminister Ahmed Maher am Sonntag in Kairo. Nach der Festnahme der mutmaßlichen Mörder des israelischen Tourismusministers Rehawam Zeevi seien die israelischen Bedingungen für eine vollständige Bewegungsfreiheit Arafats eigentlich erfüllt, betonte Maher. Israel setze offenbar seine "aggressive Politik" gegen die Palästinenser fort, um die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zu verhindern.

Nach einem israelischen Kabinettsbeschluss vom Sonntag darf Arafat künftig sein Hauptquartier in Ramallah im Westjordanland verlassen, muss aber weiterhin in der Stadt bleiben. Wenn Arafat Ramallah verlassen will, braucht er dafür eine Genehmigung von Sharon.

Auch der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat indirekt die Entscheidung Israels kritisiert, die Bewegungsfreiheit von Palästinenserpräsident Arafats weiterhin einzuschränken. "Ich halte es für sehr wichtig, dass die Freizügigkeit von Präsident Arafat wiederhergestellt wird", sagte Fischer am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Mit Blick auf die Festnahme der mutmaßlichen Mörder des israelischen Tourismusministers Zeewi sagte Fischer: "Wenn wir die Situation bewerten, müssen wir auch die positiven Seiten sehen."

"Ich verstehe die Frustration (der Palästinenser)", sagte der Minister zur Lage in Nahost. Er rief Palästinenser und Israelis auf, ihre Sicherheitsgespräche wiederaufzunehmen. Sie waren am Sonntag abgesagt worden. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht vereinbart. Als "wichtig" bewertete Fischer eine Friedensinitiative Saudiarabiens. Diese sieht eine Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten im Gegenzug gegen den Rückzug Israels aus allen 1967 besetzten Palästinensergebieten vor. Fischer sagte, wenn dies die offizielle arabische Position würde, etwa beim Gipfel der Arabischen Liga im März, wäre dies ein "enormes Signal", das auch in Israel für Bewegung sorgen würde. (APA/Reuters)

Share if you care.