Der Führer ist tot

25. Februar 2002, 09:24
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Über die Lage in Angola nach der Ermordung von Jonas Savimbi - Ein Kommentar von Gerhard Plott

Nach seit kurzem geltenden Maßstäben ist mit Jonas Savimbi, dem Chef der angolanischen Rebellenorganisation Unita, der dienstälteste Terrorist der Welt erschossen worden. Savimbi und seine Truppe überzogen Angola mit einem Krieg, der allein seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 rund eine Million Menschen das Leben kostete und das potenziell reiche Land in die Steinzeit zurückstieß. Der Kampf um das große Geld aus den Diamantenfeldern war ihm stets wichtiger als windelweiches Gerede von Frieden und Demokratie. Savimbi starb, wie er lebte: mit der Waffe in der Hand.

Es gab allerdings Zeiten, da war Savimbi ein gern gesehener Gast im Westen: Ronald Reagan schüttelte ihm kraftvoll die Hand, das weiße (Apartheid-)Südafrika sah in ihm ein Bollwerk gegen den "total onslaught", den drohenden Frontalangriff des gottlosen Weltkommunismus. Savimbi verteidigte hehre westliche Werte in den Savannen Angolas und konnte sich militärischer Unterstützung sicher sein. Niemand interessierte sich damals für die barbarischen Verbrechen der Unita-Banditen an der Zivilbevölkerung, keinen kümmerte die Zwangsrekrutierung Tausender Kindersoldaten, Savimbi war ja der Ochse des Guten in einer Umgebung, die voll war mit ganz Bösem.

Nun ist der charismatische Führer tot, und man kann davon ausgehen, dass sich seine Unita nicht mehr lange halten wird: Savimbis Satrapen werden sich im Kampf um Macht und Blutdiamanten mit der Zeit gegenseitig die Hälse durchschneiden, was keine Trauerfeiern im Land auslösen wird. Zählt man den Unabhängigkeitskampf dazu, tobt seit fast vierzig Jahren ununterbrochen Krieg in Angola. Nun besteht erstmals eine Chance für einen dauerhaften Frieden in dem ausgebluteten Land. Es wäre ein Verbrechen, diese Chance nicht zu ergreifen. (Der Standard, Printausgabe, 25.02.02)

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