Teure Bahn - von Günther Strobl

24. Februar 2002, 20:31
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In Österreich gibt es fast ebenso viele selbst ernannte Eisenbahnexperten wie Fußballtrainer: an die sechs Millionen. Fast jeder und jede hat Verwandte, Freunde oder Bekannte, die mit der Bahn ihr Brot verdienen oder ihr Geld dort liegen lassen: einige direkt als Reisende, viele indirekt als Steuerzahler.

Wenn nun der neue Mister ÖBB ankündigt, die Züge nicht nur außen zu polieren, sondern auch innen von Mief und Staub zu säubern, ist das ein längst überfälliger Schritt. Die ÖBB rollen auf Material, das teilweise zwanzig und mehr Jahre alt ist. 1994 ist die letzte Fernverkehrsgarnitur angeschafft worden. Die Tatsache, dass vorne mitunter supermoderne Lokomotiven ziehen, die es hinsichtlich Geschwindigkeit mit jedem Ferrari aufnehmen könnten, ist ein geringer Trost: Wenn bei den Waggons die Drehgestelle nicht mehr als 140 Stundenkilometer vertragen, ist vorne die stärkste Kraftmaschine für den Hugo.

Deshalb noch einmal: Das Investitionsprogramm für den Personenverkehr ist richtig und gut. Wenn in den nächsten Jahren auch die Schienenstränge samt Unterbau entsprechend erneuert sind, sollte nichts mehr dagegen sprechen, dass man von Wien in weniger als zweieinhalb Stunden nach Salzburg gelangt. Selten weniger als drei Stunden dauert die Reise heute. Das hat der Transalpin aber schon 1969 geschafft.

Trotz attraktiverer Verbindungen, schnellerer und saubererer Züge mit Laptop-Anschluss und kaltem Bier bei Bedarf sollte man nicht in die Illusion verfallen zu glauben, die Bahn könnte hier das große Geld machen. Außerhalb der "Rennstrecken" wird es auch in Zukunft ohne Staatsgeld nicht gehen. Deshalb ist es unerlässlich, dass die ÖBB ihren Geldesel Güterverkehr gedeihlich behandeln. Das spart uns Steuerzahlern Milliarden. Auf dass uns die Bahn nicht nur teuer bleibt, sondern lieb wird. (Der Standard, Printausgabe, 25.02.2002)

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