Simbabwe: Mugabe greift durch

25. Februar 2002, 17:22
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Oppositionsführer Morgan Tsvangirai (Bild) wenige Wochen vor Wahlen wegen Hochverrats angeklagt

Harare - Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ist am Montag wegen Hochverrats angeklagt worden. Wie er nach einem Polizeiverhör in Harare mitteilte, beschuldigen ihn die Behörden eines Mordkomplotts gegen Staatspräsident Robert Gabriel Mugabe. Tsvangirai wies die Vorwürfe zurück. Er tritt bei der Präsidentenwahl am 9. und 10. März gegen Mugabe an, der seit fast 22 Jahren in dem südafrikanischen Land an der Macht ist.

Angebliche Fluchtpläne Mugabes

Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, bereitet für den Fall einer Niederlage bei der Präsidentenwahl im März angeblich seine Flucht vor. Nach einem Bericht der konservativen britischen Tageszeitung "The Times" von Montag hat Mugabe auch beim Führer der Opposition, Morgan Tsvangirai, sondieren lassen, was dieser für den Fall eines Sieges mit ihm zu tun gedenke.

Im Jänner sei es zu "einem ungewöhnlichen nächtlichen Treffen" im Präsidentenpalast von Harare gekommen. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo habe Tsvangirai, Führer der Bewegung für demokratischen Wandel (MDC), eingeladen. Tsvangirai sei erst erschienen, nachdem Obasanjo persönlich für seine Sicherheit garantiert habe.

Bei einem Gespräch um 02.00 Uhr früh, an dem Mugabe nicht teilnahm, habe Obasanjo gefragt: "Was machen Sie mit ihm, wenn Sie gewinnen?" Tsvangirai habe darauf erklärt, er wolle Mugabe nicht einsperren lassen und werde ihm erlauben, in Würde das Land zu verlassen. "Gut. Ich glaube, das ist so am besten", habe Obasanjo geantwortet. Tsvangirai sagte, auch Mugabes Frau Grace und seine drei Kinder könnten das Land verlassen. Er werde aber nicht zulassen, dass die Familie Mugabe "Plündergut und Wertgegenstände" mitnehme.

Die "Times" berichtete über Gerüchte, wonach Mugabes persönlicher Hubschrauber in ständiger Bereitschaft auf dem Rasen des Präsidentenpalasts geparkt sei, um "für eine plötzliche Abreise zur Verfügung zu stehen". Das Gespräch Obasanjos mit Tsvangirai, dem vermutlich ein Gespräch zwischen dem nigerianischen Präsidenten und Mugabe vorausgegangen sei, zeige auch, dass Mugabe entgegen eigenen öffentlichen Bekundungen keineswegs sicher zu sein scheint, dass er die Wahlen gewinnen werde.(APA/dpa)

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