Die Augen der Elizabeth T.

25. Februar 2002, 19:06
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Wer in den 50ern ins Kino gegangen war, konnte seinen Kindern in den 70ern Geschichten von damals erzählen ... - 25. Februar 2002

Wer in den 50ern ins Kino gegangen war, konnte seinen Kindern in den 70ern Geschichten von damals erzählen. Weil das Fernsehen die Erinnerungsalben dazu lieferte: Hollywoodklassiker im Hauptabendprogramm.

Natürlich galt das stärkste Interesse den so genannten Stars. Attraktiv in allen Lebenslagen. Eine Frau tauchte da immer in den Boulevardgazetten auf, sie wurde als die Schönste bezeichnet: Elizabeth Taylor. Die Erfinder dieser leichten Übertreibung waren wohl von ihren Augen geblendet. Sie blickte ja wirklich so durchdringend aus dem uralten Fernsehapparat, dass einem im halbwüchsigen Kopf komisch werden konnte. Und das, obwohl die Kiste ein Schwarz-Weiß-Gerät und deshalb verhasst war.

Ein Erinnerungsstück: Cleopatra lief einst an einem Samstagabend. Mit Pause, weil der Schinken so lange dauerte wie mehrere Mathematikaufgaben. Vorab die Erklärung der Programmansagerin: Der Film war in Cinemascope zu sehen, hatte also schwarze Balken oben und unten. Liz Taylors Augen waren so stark geschminkt, dass bei Blicken in die Kamera erhöhte Hypnosegefahr für den Zuschauer bestand. Lebenspartner Richard Burton war auch zugegen. Eltern-Info: Die streiten immer.

Man konnte es fast nicht glauben: Ein Wesen wie sie und streiten? Doch sie tat es nicht nur mit Burton, sondern auch mit einigen anderen Ehemännern, von denen sie sich wieder scheiden ließ. Das Beziehungsdrama war bei ihr schließlich nicht nur Realität, sondern auch Fiktion: Die Katze auf dem heißen Blechdach, Giganten oder Spiegelbild im goldenen Auge. Liz Taylor, das war Liebe, Eifersucht und Verzweiflung in einem.

Am 27. 2. wird die "Queen of Hollywood" (The Independent) erst 70. Im Fernsehen laufen wieder ihre Filme. Zum Beispiel Vater der Braut (27. 2., 10.15, ORF 2). Oder Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (2. 3., 23.25, ORF 2) ein weiteres Stück Beziehungskrise. Erinnerungsalben für die nächste TV-Generation sind die meisten dieser Klassiker nicht. Denn sie laufen vormittags unter der Woche oder um Mitternacht. Quoten machen heute andere Programme. (pi/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 25. Februar 2002)

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