Druck der EU zeigt Wirkung in Montenegro

24. Februar 2002, 23:22
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Djukanovic: Referendum kann ausgesetzt werden, falls serbische und montenegrinische Vertreter einig werden

Podgorica/Graz - Der Druck der EU hat offenbar Wirkung gezeigt: Ein enger Berater des montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic deutete am Wochenende erstmals an, das für Mitte Mai geplante Referendum über die Unabhängigkeit des Landes könne "ausgesetzt" werden, "falls sich die Vertreter Montenegros und Serbiens über die künftigen Beziehungen beider Staaten einigen". Der Berater, Milan Rocen, hatte die Gespräche zwischen Djukanovic, dem jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica und dem Hohen EU-Vertreter Javier Solana kommentiert.

Djukanovic selbst hat seither den Terminplan für die Volksabstimmung nicht öffentlich wiederholt, vor Journalisten aber bestritten, dass der "Fortschritt" in Belgrad eine "Absage" des Referendums bedeute.

Kompromiss

Solana hatte in Belgrad mit beiden Seiten fünf Stunden lang um einen Kompromiss gerungen. Präsident und Regierung in Montenegro wollen für das 600.000-Einwohner-Land die Unabhängigkeit, Belgrad dagegen besteht auf dem Erhalt der jugoslawischen Föderation. Solana hat einen Plan vorgelegt, nach dem die formal aus zwei Teilstaaten bestehende "Bundesrepublik Jugoslawien" in eine "Union aus Serbien und Montenegro" umgewandelt werden soll.

Die Union soll einen gemeinsamen UNO-Sitz einnehmen und gemeinsame Botschaften unterhalten, sonst aber nur wenige Funktionen teilen. Eine Volksabstimmung über die volle Unabhängigkeit Montenegros soll laut Solana-Plan erst in fünf Jahren stattfinden dürfen. (Standard-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek, Der Standard, Printausgabe, 25.02.02)

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