Heikle Lage für slowakische Ungarn

24. Februar 2002, 23:01
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Benes-Dekrete dürfen laut Koalitionsvertrag nicht angerührt werden

Die wegen des ungarischen "Statusgesetzes" ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Bratislava und Budapest sind durch die Äußerungen des ungarischen Premiers Viktor Orbán über die Benes-Dekrete weiter belastet worden. Das slowakische Außenamt reagierte diesmal prompt und lud den ungarischen Botschafter Miklós Boros zwecks Erläuterung vor. Gleich darauf sagte auch Premier Mikulás Dzurinda seine Teilnahme am Visegrád-Gipfel ab. Orbán, so Dzurinda, müsse entscheiden, ob er zu einem kultivierten Dialog zurückkehren oder weiter die nationalistische Karte spielen wolle.

Allerdings ist die Ungarnpartei SMK, bisher oft verlässlichstes Mitglied von Dzurindas Regierungskoalition, durch Orbáns Forderung in eine heikle Lage gebracht worden. Sie würde sich wohl auch in der Causa Benes-Dekrete ähnlich wie bei dem Statusgesetz gerne auf die Seite von Budapest stellen. Mit dem Koalitionsvertrag hat die SMK aber auch die Bedingung unterschrieben, dass die Frage der Benes-Dekrete in dieser Amtszeit nicht geöffnet wird. Parteichef Béla Bugár konnte so zu der Situation nur bemerken, dass dieses Problem eines Tages doch gelöst werden müsse, da es "sicher noch Menschen gibt, die wenigstens eine Entschuldigung erwarten können für das, was ihnen nur deshalb geschehen ist, weil sie Ungarn sind". (Standard-Mitarbeiterin Renata Kubicová aus Bratislava, Der Standard, Printausgabe, 25.02.02)

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