"Die Leute haben zu wenige Anleihen"

24. Februar 2002, 18:39
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Die seit nunmehr fast zwei Jahren überwiegend verlustreichen Aktienportefeuilles haben den Managern von Anleihe-Fonds einen besseren Auftritt verschafft

Achim Walde gehört mit seinem europäischen Anleihenfonds ("Oppenheim Extra Portfolio") zu den Stars in seinem Bereich. Geld verdient er mit den Zinsen der Anleihen, die Butter aufs Brot kommt allerdings von zusätzlichen Währungsspekulationen, die wiederum im Rentenportefeuille abgesichert sind.

Unkonventionelle Einschätzungen haben dem Anleihen-Fondsmanager erste Plätze in den Performance-Vergleichen gebracht. Zweistellige Renditen verspricht er seinen Anlegern auch heuer zu verschaffen.

STANDARD: Mit 12,6 Prozent Rendite haben Sie im vergangenen Jahr einiges vorgelegt. Wie haben Sie das gemacht?

Achim Walde: Im Wesentlichen resultieren die Ergebnisse aus dem Potenzial der Währungen. Das bringt zusätzliche Kursgewinne. Die zentraleuropäischen Beitrittskandidaten gehören dazu genauso wie Großbritannien und Schweden. Das ist der Kick! Das Potenzial in den Währungen wird unterschätzt. Genauso wird der Euro überschätzt.

STANDARD: Sie erzielen höhere Gewinne ja nur, wenn andere europäische Währungen, vor allem die der Beitrittskandidaten, im Vergleich zum Euro steigen. Erwarten Sie das denn?

Walde: Ja, ich sehe Aufwertungspotenzial sowohl beim polnischen Zloty als auch bei der Tschechenkrone und beim ungarischen Forint.

STANDARD: Die Marktmeinung ist aber eine andere, auch weil die Notenbanken immer wieder zugunsten schwacher Währungen intervenieren, um die Exporte anzukurbeln.

Walde: Ja, ich bin jedoch überzeugt, dass das Thema Konvergenz viel ausländisches Kapital in diese Währungen hineinbringen wird. Diese Länder sind nicht mehr Emerging, sondern Converging Markets. Dazu steigen Kaufkraft und Produktivität - das spricht alles für Spielraum nach oben.

STANDARD: Und die andere Seite?

Walde: Der Euro? Der hat Abwertungspotenzial. Der Euro ist überbewertet, und zwar deswegen, weil Europa einfach Probleme hat, Kapital anzuziehen. Woher erwarten wir den Aufschwung? Aus den USA. Sie bleiben die Lokomotive. Europa hinkt immer hinterher, das haben wir gesehen.

STANDARD: Wo sehen Sie denn demnach unsere Währung fair bewertet?


Walde: Ich sehe den Euro bei 0,75 zum Dollar bis zum Jahresende.


STANDARD: Wird denn heuer wieder ein gutes Anleihenjahr?

Walde: Ja, bei uns sind sicher zweistellige Renditen drinnen. Wesentlichen Anteil erwarte ich mir dabei von der Schwedenkrone, die heuer etwa zehn Prozent Aufwertungspotenzial haben dürfte. Zudem sinkt die Inflation im Euroland, die Zinsen erwarte ich mir auf Zwölfmonatssicht konstant - ein gutes Umfeld also. Außerdem ist die Konvergenz einfach ein Riesenthema.

STANDARD: Mit dem sich verdienen lässt.


Walde: Die Leute haben insgesamt zu wenige Anleihen! 50 Prozent des Vermögens sollten meiner Meinung nach in Renten investiert sein. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 25.02.2002)

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    foto: photodisc
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