Grundsätzliches und Unterschwelliges

24. Februar 2002, 22:25
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ÖOC-Präsident Leo Wallner zieht Bilanz am Ende der Olympischen Spiele 2002

Salt Lake City - Die Österreicher kommen mit 16 Medaillen nach Hause, viele von ihnen sind freilich schon da. Im Medaillenspiegel nach amerikanischer Art ergibt das den fünften Platz hinter Deutschland (35), den USA (34), Norwegen (22) und Kanada (17) - die Amerikaner werten jede Medaille gleich. Nicht ganz so gut sieht's im herkömmlichen Spiegel aus, der zunächst von der Anzahl der Siege ausgeht, Österreich steht mit seinen zwei Goldenen an 13. Stelle.

Kompakte Mannschaftsleistung

Wallner spricht von einer "kompakten Mannschaft" und die hohe Anzahl von Spitzenplätzen an, schließlich landeten 50 Österreicher auf Top-8-Plätzen, allein elf vierte Plätze wurden gezählt. "Wir liegen ausgezeichnet", sagt der ÖOC-Chef und sieht seine Erwartungen weit übertroffen. Enttäuscht haben Wallner die Skispringer und die Snowboarder, denen man mehr zugetraut hätte. Und insgesamt soll künftig verstärkt der Frauensport unterstützt werden. Schließlich haben im österreichischen Olympiateam die Herren sehr dominiert, nur zwei der 16 Medaillen waren damenhaft, beide gingen auf das Konto von Renate Götschl.

Volles Österreicher-Haus

Österreich ist, sagt Wallner, "sehr sympathisch" aufgetreten und hat speziell im Österreich-Haus, das sich die Wirtschaftskammer und das ÖOC geteilt haben, viele Freunde gewonnen. Tatsächlich hat dieses Haus im Zentrum anderen Häusern klar den Rang abgelaufen, das deutsche Haus etwa ist am Stadtrand und deshalb vergleichsweise leer gestanden. Darüber hinaus haben die Protagonisten der Olympia-Bewerbung Salzburgs und Kitzbühels für 2010 in Salt Lake City vorbeigeschaut und "eine Menge dazugelernt", wie Leo Wallner sagt.

Heimvorteil gibt es überall

Den Olympia-Organisatoren und -Mitarbeitern zollt der ÖOC-Präsident höchstes Lob. "Die Sicherheitsvorkehrungen waren intensiv. Die Freundlichkeit der Menschen war bemerkenswert." In manchen Bewerben hätten die Amerikaner "Heimvorteil gehabt", den Heimvorteil gebe es überall, zum Beispiel habe im Sommer 2000 in Sydney eine australische Wasserspringerin statt der Wienerin Anja Richter Bronze gewonnen.

Keine Vorschriften der Medien

Dass die Medien (Beispiel NBC) den Spielen auch sportlich Vorschriften machen (Beispiel Eiskunstlauf), verneint Wallner indes. Die Entscheidung, im Paarlauf zwei Titel zu vergeben, sei weise gewesen. "Ich glaube nicht, dass IOC-Präsident Jacques Rogge mit dieser Entscheidung etwas aufgemacht hat." Bei der nächsten IOC-Tagung wird auch darüber geredet, inwieweit die Olympia-Macher künftig den diversen Sportverbänden Vorschriften machen sollen. Das Werbeverbot während der Spiele für Teilnehmer will Wallner aufrechterhalten, es handle sich um eine "Grundsatzfrage". Auch wenn das Verbot umgangen wird. So steht "Austrian Olympic Team" auf dem Gewand der ÖOC-Sportler, und das "Austrian" wird besonders hervorgehoben, was einer Fluglinie nicht ungelegen kommt. "Das ist natürlich unterschwellige Werbung", gibt selbst Wallner zu.

Gleichberechtigung beschlossen

Grundsätzlich hat das IOC beschlossen, dass jeder Sport, der von Männern ausgeübt wird, auch von Damen ausgeübt werden soll. Deshalb konnte Damenbob nicht verhindert werden. Wallner will sich dafür stark machen, dass diverse Kampfsportarten im Sommer männliche Domänen bleiben. "Der Beschluss ist halt da, aber es muss wirklich nicht alles sein." (fri, Printausgabe DerStandard 25.02.2002)

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