ÖBB-Chef: "Maut hilft uns"

24. Februar 2002, 18:29
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Aber kaum Verlagerung von Laster auf Bahn

Seit 1. August 2001 steht ein Deutscher an der Spitze der ÖBB: Rüdiger vorm Walde. Mit ihm sprach Günther Strobl.



STANDARD: Herr Generaldirektor, Sie sind keine sieben Monate im Amt und haben schon mit dem zweiten Minister im Infrastrukturressort zu tun. Überrascht Sie die Häufigkeit der Wechsel?


Vorm Walde: Das ist kein Österreich-Spezifikum. In Deutschland, wo ich herkomme, gibt es das auch.



STANDARD: Verschleißt der Verkehr so sehr?

Vorm Walde: Dieses Ressort hat starke Berührungspunkte zur Öffentlichkeit. Schiene, Straße, Nahverkehr: Alles läuft dort zusammen und emotionalisiert.


STANDARD: Haben Sie schon einen Termin beim neuen Infrastrukturminister Mathias Reichhold?

Vorm Walde: Diesen Dienstag fahren wir gemeinsam mit dem Zug nach Linz, machen den Spatenstich für die Neugestaltung des Bahnhofs und werden Gelegenheit haben, uns kennen zu lernen. Ein Termin für ein Gespräch im Ministerium wird gesucht.


STANDARD: Werden Sie Minister Reichhold auch mit finanziellen Wünschen konfrontieren ?

Vorm Walde: Ich werde nicht mit Geldforderungen kommen. Wir haben eine Mittelfristplanung gemacht und die ist mit dem Ministerium akkordiert. Für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen haben wir heuer mehr Geld zur Verfügung als 2001.


STANDARD: Was heißt mehr?

Vorm Walde: Die Mittel sind um 30 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro (16 Mrd. S) aufgestockt worden. Dazu kommen gut 580 Millionen Euro, die wir für gemeinwirtschaftliche Leistungen erhalten.


STANDARD: Irgendwann 2003/ 2004 wird es eine Lkw-Maut geben in Österreich. Wie bereiten sich die ÖBB auf die von vielen erwartete Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene vor?

Vorm Walde: Ich glaube nicht an die großen Lenkungseffekte, die sich viele versprechen. Aber allein die Tatsache, dass die Maut kommt, ist gut für uns. Das schafft mehr Wettbewerbsgleichheit, denn auch wir müssen für die Benützung der Schienen zahlen. Auch eine Pkw-Maut wäre sinnvoll.

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