Kirch: "Murdoch ist ein Haifisch"

28. Februar 2002, 17:36
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Leo Kirch will nicht als "Zocker" gelten und verteidigt seine Geschäftspolitik

Der Münchner Medienhändler Leo Kirch will auch angesichts der schweren Krise seines Unternehmens nicht als "Zocker" gelten. "Ich war nie ein Spieler, sondern allenfalls ein Unternehmer mit Sportsgeist", sagte der 75-jährige Firmengründer in einem am Samstag vorab veröffentlichtem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ihn habe kein "Größenwahn" geleitet, "sondern die Idee, maximales Eigentum zu erwerben, um Maximales zu bewegen." Die Krise seines Konzerns nehme er ernst. Kirchs Geschäftsführer Dieter Hahn bezifferte im "Spiegel" die Schulden des Unternehmens auf "exakt 6,5 Milliarden" Euro (89,4 Mrd. S).

"Murdoch ist ein Haifisch"

Der als äußerst öffentlichkeitsscheu geltende Kirch verteidigte auch seine Entscheidung, den US-australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch zum Mit-Gesellschafter seines Bezahlfernsehens Premiere zu machen. "Das brachte uns seinerzeit viel Geld und viel Wissen ein", sagte der Medienhändler. Er räumte aber ein, dass es ein Risiko gewesen sei, Murdoch weitgehende Rückkaufsrechte einzuräumen. "Murdoch ist ein Haifisch", sagte Kirch. Murdoch besitzt eine Ausstiegsoption für seinen Anteil an Premiere. Er kann sich ab dem 1. Oktober aus dem Engagement zurückziehen und dann von Kirch eine Milliardensumme verlangen. Auf die Frage, ob Murdoch ihn um sein Lebenswerk bringen wolle, sagte Kirch: "Dann frisst er mich eben. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Die Knochen wird auch Murdoch mir schon lassen."

"Stabile Kapitalstruktur" bis Ende Juni

Geschäftsführer Hahn kündigte vor dem Hintergrund der immensen Schuldenlast an, dass bis Ende Juni "eine stabile Kapitalstruktur" stehen müsse. Hauptsorgenkind sei Premiere: "Unser enormer Kapitalbedarf dort hat eine Größenordnung erreicht, die nicht mit mehr von einem einzelnen Unternehmer ohne stabile Partner realisiert werden kann", sagte Hahn. Zu der am Freitag verschobenen Fusion zwischen den Konzerntöchtern KirchMedia und ProSiebenSat.1 sagte er, ein solcher Zusammenschluss sei "nur unter klaren Prämissen machbar." (APA)

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