USA über verschlechterte Sicherheitslage in Afghanistan besorgt

24. Februar 2002, 16:34
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Iran verspricht Karsai-Regierung 500 Millionen Dollar

Kabul/Teheran - Die USA sind über die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan zunehmend besorgt. Es werde überlegt, wie man durch die Entsendung von Militärberatern in die kritischen Zonen verhindern könne, dass das Unwesen der Kriegsherren wieder auflebt, sagte der US-Sonderbotschafter Zalmay Khalilzad am Sonntag in Kabul. Der Chef der Übergangsregierung, Hamid Karsai, will die USA gegebenenfalls um militärischen Beistand bitten. Deutsche Soldaten sind, wie Verteidigungsminister Rudolf Scharping bestätigte, bereits seit Wochen in Afghanistan an der Jagd auf Terroristen der El-Kaida-Organisation von Osama bin Laden beteiligt.

"Die größte Herausforderung ist es ganz klar, eine Rückkehr zu dem Kriegsherren-Unwesen zu verhindern", das bis zur Taliban-Machtübernahme in Afghanistan geherrscht hat, betonte Khalilzad vor der Presse in der US-Botschaft in Kabul. Amerikanische Spezialeinheiten könnten eingesetzt werden, um potenzielle Konfliktherde im Keim zu ersticken. In den Provinzen Paktia und Wardak war es zuletzt zu Machtkämpfen rivalisierender Warlords gekommen. In Kabul wurde ein Minister erschlagen, und die internationale Friedenstruppe (ISAF) kamen zwei Mal unter Beschuss.

Khalilzad kündigte an, die USA würden die - ausschließlich in Kabul stationierte - ISAF unterstützen, wenn die Vereinten Nationen deren Truppenstärke vergrößern sollten. Sie würden jedoch nicht eigene Bodentruppen dem ISAF-Kommando unterstellen. Derzeit sind über 4000 US-Soldaten in Afghanistan eingesetzt.

Wenn aufständische Teilbefehlshaber versuchten, das Land zu destabilisieren, werde seine Regierung auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft einschließlich der Amerikaner setzen, erklärte Karsai. Der Kampf gegen den Terrorismus müsse auch die Stärkung der Zentralregierung einschließen, betonte Karsai. Nach amerikanischen Presseberichten sind US-Kampfflugzeuge bereits zur Verteidigung der Kabuler Interimsregierung gegen Milizen eingesetzt worden, die diese bekämpfen.

Karsai ist am Sonntag zu seinem ersten Besuch im Nachbarland Iran eingetroffen. Er wird von Außenminister Abdullah Abdullah und zehn weiteren Ministern begleitet. Der Iran hat Afghanistan 500 Millionen Dollar Hilfe zugesagt, um die Folgen von über zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg zu überwinden. Karsais Regierungsdelegation gehört auch der Sohn des Gouverneurs der Provinz Herat, Ismail Khan, an. Die USA sehen in Khan ein Werkzeug Teherans zur Destabilisierung der Lage in Afghanistan.

Der Iran hatte während der Herrschaft der Taliban die afghanische Nordallianz politisch und militärisch unterstützt. Washington wirft Teheran vor, die politische Lage in Afghanistan seit dem Amtsantritt der Übergangsregierung destabilisieren zu wollen und Mitgliedern des El-Kaida-Terrornetzwerks von Osama bin Laden Unterschlupf zu gewähren. Der iranische Außenminister Kamal Kharrazi wies US-Vorwürfe zurück, der Iran wolle die Interimsregierung mit Geld und Waffenlieferungen an den Gouverneur der westafghanischen Provinz Herat schwächen. Der Iran hat in der Provinzhauptstadt Herat einen Militäroffizier als Konsul etabliert. (APA/Reuters)

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