Spar-Boß Drexel wirft Billa Packelei mit Finanzminister Grasser vor

24. Februar 2002, 20:40
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1000 Maximarkt-Mitarbeiter fordern Grasser auf, seinen Antrag auf Kartellprüfung zurückzuziehen

Wien - Nach den Gerüchten um einen Wechsel von Finanzminister Karl-Heinz Grasser zum Billa-Konzern eskaliert der Streit zwischen den Lebensmittelriesen Billa und Spar. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT bezeichnet Billa-General Veit Schalle den Erzrivalen als Urheber der Spekulationen: "Die ganze Sache war nur eine Intrige der Spar gegen uns."

Spar-Boß Gerhard Drexel wiederum wirft Schalle politische Verhaberung vor und kritisiert Finanzminister Grasser scharf. Er meint, daß Billa Politkontakte ausnützt, um den fixierten Verkauf von sechs Maximärkten durch die Raiffeisen-Gruppe an Spar verbieten zu lassen. Gegenüber FORMAT erklärt Drexel wörtlich: "Es ist bekannt, daß Schalle, Grasser und Justizminister Böhmdorfer Parteifreunde und persönliche Du-Freunde sind."

Antrag auf eine tiefergehende Untersuchung

Hintergrund der Erregung: Als die Spar schon glaubte, die Kartellprüfung des Deals gehe zu ihren Gunsten aus, stellten die Minister Grasser und Böhmdorfer am Aschermittwoch, dem letzten Tag der Einspruchsfrist, den Antrag auf eine tiefergehende Untersuchung. Drexel: "Es ist einmalig in der Geschichte, daß sich der völlig unzuständige Finanzminister in ein Kartellverfahren einmischt." Und FORMAT zitiert den Spar-Chef weiter: "Die Minister schikanieren uns, um Schalle einen Dienst zu erweisen. Alles, was von der Rewe Austria beim Kartellgericht gegen uns vorgelegt wurde, ist wider besseres Wissen erstunken und erlogen."

Auch Maximarkt-Zentralbetriebsrat Hermann Rosenbauer schießt sich auf den Finanzminister ein. Wie FORMAT berichtet, wird Grasser diese Woche einen von allen 1.000 Maximarkt-Mitarbeitern unterschriebenen Brief erhalten, worin er aufgefordert wird, den Antrag zurückzuziehen, "weil durch die Vorgangsweise Ihrer Behörde die Entwicklung unseres Unternehmens und damit auch unsere Zukunft massiv in Frage gestellt" wird. Rosenbauer: "Der Minister schadet der Maximarkt-Belegschaft und weniger dem Spar-Konzern."

"Nie interveniert"

Billa-General Schalle kontert scharf: "Ich habe nie irgendwo interveniert. Das macht nur die Spar in einem Ausmaß, daß es schon peinlich ist." Und er meint: "Wird der gleiche Maßstab angewandt wie im Fall der Meinl-Übernahme durch Billa, dann muß die Spar vier von sechs Maximärkten wieder hergeben."

Hans Reischl, Vorstandschef der deutschen Billa-Mutter Rewe, schäumt: "Die Hetzjagd gegen Billa muß unterbunden werden. Ansonsten muß man die österreichische Politik schon fragen, wie sie mit einem der größten Arbeitgeber des Landes umgeht. Steuern kassiert die Republik Österreich ja auch gerne vom ausländischen Billa-Konzern." (red)

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