Kritisches Denken und demokratiepolitisches Bewusstsein fördern

25. Februar 2002, 13:16
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Über Geschichte, Ziele und Angebote des Feministischen Grundstudiums am Rosa-Mayreder-College

"Jede Frau sollte mindestens ein Jahr lang Frauengeschichte studieren - egal, was sie sonst macht. Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat", sagte einst Gerda Lerner, Exil-Österreicherin und Begründerin der Women's History in den USA. Das Rosa-Mayreder-College(RMC)hat sich diese Worte als Leitspruch für sein Feministisches Grundstudium gewählt.

Dabei geht es jedoch nicht darum, lediglich die Biographien der großen Frauen der Geschichte kennen zu lernen, sagt RMC-Leiterin Ursula Kubes-Hoffmann, sondern: "Es geht um das Lebenswerk jener Frauen, die Widerstandsgeschichte geschrieben und sich seit der französischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeit für die Interessen der Frau eingesetzt haben - das hat Auswirkungen bis auf die Frau von heute."

Kritisch bilden und Öffentlichkeit verändern

Mit dem 1998 gegründeten viersemstrigen Feministischen Grundstudium will das RMC demokratiepolitisches Bewusstsein fördern und feministische Ausbildung mit kritischer politischer Bildung und aktuellen Gegebenheiten verknüpfen. "Und zwar so, dass es die Öffentlichkeit verändert", sagt Kubes-Hoffmann. Im Jänner startete bereits der dritte berufsbegleitende Lehrgang - mit 33 Frauen aus verschiedenen öffentlichen Bereichen wie frauenpolitischen Referaten, aus Frauenprojekten, oder aus dem Sozial- und Bildungsbereich.

Ziele des Lehrgangs sind unter anderem der Erwerb sozialer und politischer Kompetenz, die Optimierung argumentativer Durchsetzungsfähigkeit am Arbeitsplatz, die Nutzung internationaler Netzwerke, die Erweiterung von Fremdsprachenkenntnissen und das Wissen über Europa-Recht und Medienarbeit. In Vorträgen und Seminaren von Gesellschaftspolitik über feministische Rechtstheorie bis zu Kommunikationstheorien und Wissenschaftlichem Arbeiten sollen die Teilnehmerinnen ein eigenes kritisches Bewusstsein für feministische Themen entwickeln und mithilfe von Analysen und methodischen Ansätzen ihren persönlichen Zugang dazu schaffen. Und: Ihre eigenen Ressourcen und Potentiale kennen- und nutzen lernen.

Dabei wird auch gelehrt, konzeptionell zu arbeiten und im Zuge der Diplomarbeit Projekte zu entwickeln und danach praktisch umzusetzen. "Diverse Projektideen, die für die Diplomarbeit erarbeitet wurden, konnten von den Absolventinnen bereits tatsächlich im öffentlichen Bereich realisiert werden", sagt Kubes-Hoffmann. So zum Beispiel eine Drogenberatungsstelle für Mädchen in Salzburg.

Offener Zugang

Zugang zum Feministischen Grundstudium hat trotz seines universitären Post-Graduate-Charakters jede Frau jeden Alters; über die Aufnahme entscheidet ein Bewerbungsgespräch. "Wobei es mir wichtig ist, die Gruppe sehr heterogen zu halten", so Kubes-Hoffmann. Jene mit abgeschlossener akademischer Ausbildung erhalten nach Abschluss den Titel "Akademische Referentin für feministische Bildung und Politik". Jene, die langjährige Berufserfahrung haben und mit sehr gutem Erfolg abschließen, erhalten ein Zertifikat ausgestellt.

Veranstaltungsort des Lehrgangs ist das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee; die Teilnahme kostet für alle Module 2.545 Euro (35.019,96 öS). Der nächste Lehrgang wird im Jänner 2004 starten - bis dahin können Interessentinnen jedoch die diversen andere Bildungsangebote des Rosa-Mayreder-Colleges nutzen.

Isabella Lechner

Nähere Information:
Rosa-Mayreder-College
Türkenstraße 8/2/13, 1090 Wien
Tel.: +43/1/319 68 32, Fax: +43/1/319 68 32-15
E-Mail:office@rmc.ac.at

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