Hoffnung auf Frieden in Angola wächst

24. Februar 2002, 23:29
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Rebellenchef Jonas Savimbi von Regierungstruppen erschossen

Luanda - Der gewaltsame Tod des Rebellenführers Jonas Savimbi hat die Hoffnung auf ein Ende des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Angola geweckt. Die Regierung in Luanda forderte Savimbis Unita ("Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas") am Wochenende auf, die Waffen niederzulegen. Das staatliche Fernsehen strahlte Bilder von Savimbis Leichnam aus, auf denen der Unita-Anführer deutlich zu erkennen war.

Der UNO-Beauftragte in dem südwestafrikanischen Land, Mussagi Jeichande, sagte, Savimbis Tod könne der Anfang vom Ende des Bürgerkrieges sein.

Der 67-Jährige war am Freitag bei einem Gefecht im Südosten des Landes erschossen worden. Die am Samstag vom staatlichen Sender Televisao Popular de Angola ausgestrahlten Bilder zeigten Savimbis Leiche. Ein Reporter des Senders, der den Toten im Kampfanzug und ohne Schuhe auf einem Tisch liegend präsentierte, sagte, Savimbi sei von 15 Kugeln getroffen worden, davon zweimal in den Kopf. "Es gibt keine Zweifel, Jonas Savimbi ist tot", berichtete der Journalist.

Inzwischen wurde der Leichnam nach offiziellen Angaben in Luena, einer Hochburg der Regierungstruppen, in der Provinz Moxico beerdigt. Die Nachricht vom Tod Savimbis löste in Teilen Luandas große Freude aus. In der früheren Unita-Hochburg Huambo, 600 Kilometer südlich der Hauptstadt Luanda, kam es zu Freudenkundgebungen auf den Straßen.

Soldaten fuhren in Armeewagen jubilierend durch die Straßen, Autofahrer veranstalteten Hupkonzerte. "Savimbi wollte nur Krieg, Krieg, Krieg", sagte ein Mann, "ich denke, jetzt wird Frieden kommen, weil Savimbi eine der führenden Persönlichkeiten des Aufstands war."

Ein westlicher Diplomat erklärte, er könne sich nicht vorstellen, dass die Unita nun so weitermache wie bisher: "Der Krieg wird nun beendet werden. Mag sein, dass die Unita sich nicht sofort auflösen wird, doch hat sich die Natur des Konflikts gewandelt."

Stellvertreterkrieg

Angola war nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 zum Schauplatz eines langjährigen Stellvertreterkriegs im Kalten Krieg geworden. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Abzug kubanischer Truppen wandelte sich die regierende marxistische MPLA und ließ Anfang der 90er-Jahre ein Mehrparteiensystem und demokratische Wahlen zu, die von der UNO vorbereitet und kontrolliert wurden.

Die einst 70.000 Mann starke Unita, die von den USA und dem damaligen Apartheidstaat Südafrika mit allen Mitteln unterstützt wurde, bekämpfte jahrzehntelang die Regierung, verfügte aber zuletzt nur noch über wenige Tausend Kämpfer. In weiten Teilen des riesigen Landes herrscht nach fast vierzig Jahren Krieg große Armut. Sowohl die regierende MPLA ("Volksbewegung für die Befreiung Angolas") als auch die Unita finanzierten ihre Kriegskassen mit dem Verkauf von Diamanten. Auch heute noch sind zahlreiche Diamantenminen in den Händen der Unita. (Reuters, plo, Der Standard, Printausgabe, 25.02.02)

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