Wichtiger, als Dinge richtig zu tun, ist es, richtige Dinge zu tun

25. Februar 2002, 05:00
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Orientierungshilfen am Weg von der persönlichen Vision zur Realität - Teil 3

Die Macht der selbsterfüllenden Prophezeiungen wirkt auch unbewusst. Es liegt in Ihrer Entscheidung, ob Sie Ihr Lebenswerk in Dur oder Moll wahrnehmen. Eine persönliche Vision fungiert da wie ein Leuchtturm: als forderndes und förderndes Wunsch-Selbstbild, das durch konsequentes Handeln schrittweise zur persönlichen Marke und zum wahrgenommenen Fremdbild wird. Individualität, Authentizität und Glaubwürdigkeit sind die Voraussetzungen für den Erfolg.

Dementsprechend steht im Mittelpunkt der Mission, Antwort auf folgende Fragen zu finden: Was charakterisiert Sie? Worin unterscheiden Sie sich von anderen? Welchen Sinn stiften Sie? Wem bringen Sie welchen Nutzen? Was ginge verloren, wenn es Sie nicht gäbe? Das Mission-Statement prägt sich als Konzentrat ein und sorgt so dafür, dass die Orientierung auch in der Hektik des Alltags nicht verloren geht. Denn noch wichtiger, als Dinge richtig zu tun ist es, die richtigen Dinge zu tun - dieses Bewusstsein geht gerade in Stresssituationen oft verloren.

Wie ein leuchtender Stern

Die Vision zeichnet ein Bild von der angestrebten erfolgreichen Zukunft. Wie ein Stern ist sie zwar oft nicht erreichbar, dient aber – gerade auch in dunklen Zeiten – der Orientierung. Mehrere Wege erschließen das individuelle Ziel, weiß Management-Trainerin Monika Frauwallner: "Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie sollen den "Life Achievement Award" überreicht bekommen: Was würden die FestrednerInnen bei der Verleihung über Sie sagen? Was würden Ihre Familie, Ihre FreundInnen, KollegInnen, KundInnen usw. in einem pointierten Statement über Sie sagen?" Je plastischer und lockender die Vision wahrgenommen werde, desto intensiver könne sich unser Gehirn heute auf die Erfolge von morgen einstellen.

Damit auch aus kühnen Visionen gelebte Realität wird, folgen Strategieüberlegungen der Leitbildentwicklung "Woran kann ich erkennen, dass ich in erfolgversprechender Richtung unterwegs bin?". Die Antworten münden in Wegbeschreibungen, mit Zielen für erreichbare Zwischenetappen, und in konkreten Aktionsplänen - "Was mache ich bis wann?".

Der erste Schritt - und am Ziel ein schlechtes Gefühl

Der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt und dieser sollte leicht zu gehen sein, damit man ihn auch tut. Die folgenden dürfen ruhig herausfordernder und schwieriger werden - wenn man einmal in Bewegung ist, fallen sie auch leichter. Am Ziel angelangt, von anderen beglückwünscht oder beneidet, empfinden aber gerade Frauen oft nicht die reine Freude, sondern spüren ein mulmiges Gefühl: War die Leistung wirklich gut? War es nicht nur Zufall? Gelingt mir das beim nächsten Mal auch? Hab ich mich genug angestrengt? Eigentlich war ich nicht so besonders gut, hoffentlich merkt das keiner...usw.

Woher kommt aber diese Störfunktion? - "Manchmal tauchen beim Entwickeln der Vision innere Einwände und Bedenken auf. Bei falsch verstandenem positivem Denken werden diese weggeschoben und verdrängt, weil man ja nicht negativ sein will", sagt Trainerin Frauwallner. "Sie verschwinden dadurch aber nicht, sondern gehen nur in Warteposition und lauern auf eine günstige Gelegenheit. Das können dann seltsame Stolpersteine oder Blockaden in wichtigen Situationen sein oder das flaue Gefühl, wenn man etwas erreicht hat."
Sie rät: Hinschauen statt wegschauen! Hinter diesen inneren Widerständen steckten alte Erziehungssätze wie "Wer hoch steigt, fällt tief", "Hochmut kommt vor dem Fall" oder "Harte Arbeit wird belohnt", "Arbeit macht keinen Spaß",usw. "Sie stecken tief in uns und können in entscheidenden Momenten zuschlagen und uns die Freude am persönlichen Erfolg vermiesen."

Stolpersteine bewusst machen

Wenn diese Widerstände erkannt und als mögliche Stolpersteine bewusst werden, verlieren sie auch schon einen Teil ihrer Kraft. In kritischen Situationen wird einfach rascher klar, wer da wieder ungefragt mitspielt. Frauwallner: "Gegen diese Gespenster der eigenen Geschichte zu kämpfen, stärkt sie nur und kostet Kraft. Wenn man lernt, mit ihnen zu leben indem man ihre Existenz akzeptiert, verlieren sie ihre heimliche Macht und werden schwächer." Und dann sollen sie beim Erfolg ruhig ein bisschen grummeln - sie stören dennoch nicht weiter.

Autorin Monika Herbstrith ist Unternehmens-
beraterin und Geschäftsführerin ihres Consulting-
Unternehmens "Impuls&Wirkung".
In ihrer monatlichen Kolumne unterstreicht sie die wertvollen Fähigkeiten, die Frauen in Unternehmen mitbringen können - wenn man sie nur lässt.

Kontakt:
wirkung@impuls.at

impuls.at

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