Stammzellen gegen Parkinson

23. Februar 2002, 19:01
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Optimale Werkzeuge zur Medikamentenentwicklung

Wien - "In zehn Jahren werden wir komplexe Medikamente haben, mit denen wir das vorzeitige Sterben von Gehirnzellen verhindern und damit etwa die Alterskrankheit Parkinson heilen können", hofft Neurobiologe Ronald McKay vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda, "aber um sie zu entwickeln, müssen wir an embryonalen Stammzellen forschen - bei allen ethischen Problemen, die sie aufwerfen."

McKay stützt seine Hoffnung auf eigene Arbeiten an Mäusen. Dort hat er aus einzelnen Stammzellen komplexe Strukturen wachsen lassen können, insulinproduzierende Pankreaszellen etwa oder alle Zelltypen des Gehirns. "Die Idee, dass es besondere Zellen gibt, aus denen alle anderen werden, ist schon im frühen 19. Jahrhundert aufgekommen", erklärt McKay, "aber erst mit modernen Techniken können wir sie identifizieren und herausfinden, wie sie sich entwickeln."

Zelltherapie

Diesen Grundlagen gilt McKays zentrales Interesse, aber der Bezug zur Medizin ist eng. McKay braucht für seine Forschungen möglichst reine und viele Stammzellen. Das braucht man auch für eine erhoffte Anwendung, die Zelltherapie, die kranken Körpern direkt mit Zellen aushelfen soll. Das macht man in gewissem Sinn schon lange bei der Transplantation von Knochenmark und - in Tests - von Pankreas- und Hirnzellen.

Aber das sind keine isolierten Stammzellen, sondern Zellgemische. Und selbst reine Stammzellen entwickeln sich nicht immer (nur) wie gewünscht: "Wenn wir Zellen in das Gehirn einpflanzen, damit sie dort zur Parkinsontherapie Dopamin produzieren, dürfen sie keinesfalls auch Insulin produzieren", sagt McKay, "und sie dürfen nicht zu Tumoren werden." Das erste Problem hat McKay gelöst, beim zweiten sieht er sich auf einem "guten Weg".

Aber für beides braucht er viele funktionierende Stammzellen, und dafür braucht er, zumindest derzeit, embryonale Stammzellen. "Adulte Stammzellen sind im Labor sehr instabil und produzieren schon nach einem Tag etwa kein Dopamin mehr", erklärt der Forscher. Embryonale Zellen lassen sich vermehren und auch so differenzieren, dass sie Dopamin produzieren und in Mäusehirnen helfen.

Nächster Schritt

Trotzdem ginge McKay lieber einen Schritt weiter: "Wenn wir verstehen, wie Zellen sich entwickeln, sollten wir auch verstehen, warum sie vorzeitig sterben." Dann hätten die - nur als Forschungswerkzeug benutzten - Stammzellen ihren Dienst getan und man könnte nach Medikamenten suchen, die Zellen vor dem Tod schützen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. 2. 2002)

Von Jürgen Langenbach

McKay hat seinen Ansatz bei einem Symposium am Wiener Institut für Molekulare Pathologie vorgetragen.
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