Kontakte deutscher Rechtsaußen zu Mölzer

23. Februar 2002, 18:58
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NPD-Aussteiger Jörg Fischer über FPÖ-Querverbindungen

Berlin/Wien - Nach Angaben eines promineneten NPD-Aussteigers soll es in der Vergangenheit Kontakte deutscher Rechtsextremer mit dem ehemaligen FPÖ-Bundesrat und Publizisten Andreas Mölzer gegeben haben. "Es hat Querverbindungen über Andreas Mölzer gegeben. Mölzer hat im Arndt-Verlag geschrieben, und das ist ein rechtsextremer Verlag", sagte das frühere Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, Jörg Fischer (32), am Freitag vor ausländischen Journalisten in Berlin.

Haiders "zwiespältige" Akzeptanz

Fischer sprach zudem die Kontakte des Kärntner Landeshauptmanns und damaligen FPÖ-Chefs Jörg Haider zum nationalliberalen Bund Freier Bürger (BFB) während der 90er-Jahre an. "Jörg Haider war 1994 im Europawahlkampf wahlwerbend für den Bund freier Bürger in Deutschland unterwegs." Dieser Bund sei vom Verfassungsschutz des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen als rechtsextrem eingestuft worden und habe sich später selbst aufgelöst, so der Ex-NPD-Mann.

Dass es Geheimtreffen Haiders mit dem früheren Parteichef der rechtsextremen "Republikaner", Franz Schönhuber, oder dem Chef der Deutschen Volksunion (DVU), Gerhard Frey, gegeben habe, schließt Fischer aus. "Das spielt sich auf tieferer Ebene ab." Auch glaube er nicht, dass Haider viel Lust habe, sich mit jemanden zu Treffen, dessen Partei zuletzt 0,4 Prozent erhalten habe.

Die Zustimmung unter deutschen Rechtsextremen zu Haider beurteilt der NPD-Aussteiger als "zwiespältig". Eine Reihe von Neonazis werfe Haider vor, er vertrete nicht die reine Lehre und weiche immer wieder taktisch zurück. "Die Seriösen unter ihnen sind sehr begeistert von ihm", sagte Fischer.

"Jede Menge Kontakte"

Mölzer selbst erklärte dazu am Samstag auf Anfrage: "Ich habe jede Menge Kontakte zu Rechtsextremisten gehabt, aber auch zu Linksextremisten." Bezüglich des Arndt-Verlags sagte Mölzer, er habe insgesamt 14 Bücher in "einem Dutzend Verlage" veröffentlicht. Er könne nicht beurteilten, welche dieser Verlage als rechtsextrem eingestuft würden. Zum Bund Freier Bürger (BFB) sagte Mölzer, dieser sei eine "harmlose Gruppierung", die vom früheren bayerischen FDP-Chef Manfred Brunner gegründet worden und "leider erfolglos" gewesen sei.

Jörg Fischer trat nach Angaben von "Spiegel-Online" 1983 den jungen Nationaldemokraten in Nürnberg bei, machte Karriere in der mittelfränkischen NPD und schrieb für die NPD-Parteizeitung "Deutsche Stimme". Später gehörte er außerdem zum Gründungskreis der Deutschen Volks-Union (DVU). Ab 1991 begann er sich aus der rechten Szene zu lösen. Seit 1996 engagiert sich Fischer öffentlich gegen den Rechtsextremismus und veröffentlichte vergangenen Monat im Espresso-Verlag das Buch "Das NPD-Verbot". (APA)

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