Statt Dialogen: Beep! Beep!

26. Februar 2002, 23:54
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Zum Tod der Zeichentricklegende Chuck Jones (1912-2002)

Washington - To Duck or Not to Duck, For Scentimental Reasons, Kiss Me Cat oder Bad Day at Cat Rock - schon die Titel einiger Zeichentrickfilme von Chuck Jones verraten viel von seiner Einstellung gegenüber der oft gering geschätzten Kunst des Cartoons: Alles kann für Animationen herhalten, denn, so Jones einmal, "Animation ist nicht die Illusion von Leben, sie ist Leben".

Berühmter als die Titel sind freilich die Figuren, zu deren Leben er maßgeblich beitrug: natürlich der schlaue Hase Bugs Bunny, die dumme Ente Daffy Duck, Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexiko, das liebeskranke Stinktier Pepe LePew oder, ein Favorit von vielen, Road Runner und sein ewiger und ewig unfähiger Verfolger Wile E. Coyote, der, mit vollem Namen geschrieben, noch ein bescheidenes "Genius" als Attribut trägt.

Letztere beiden, ganz die Erfindung von Jones, sind nicht nur für ihre jeglichen physikalischen Gesetzen trotzenden, rasant burlesken und oft sadistischen Wettkämpfe berüchtigt, sie schrieben auch dadurch Geschichte, dass sie bis auf Road Runners demütigenden Ausruf "Beep! Beep!" ganz ohne Dialoge auskamen: Jones' Überzeugung war es denn auch, dass Zeichentrick für sich selbst sprechen müsse und keiner übergeordneten Sprache als Krücke bedürfe.

Die Karriere von Jones, 1912 in Spokane, Washington, geboren, verlief parallel zur (und symptomatisch für die) Geschichte des klassischen Hollywood-Kinos. In den 30er-Jahren begann er bei Warner Bros. zuerst als "cel painter" und arbeitete sich in der legendären "Termite Terrace" - der in einem Bungalow gelegenen Animationsabteilung, in der Daffy Duck und Porky Pig erfunden wurden und zeitweilig auch Tex Avery tätig war - stetig nach oben.

1938 trat schließlich Bugs Bunny erstmals in Erscheinung, der in den 40er-Jahren zum Superstar wurde, neben den Comichelden aus dem Hause Disney - und Jones blieb dem karottenfressenden Nager noch über das Ende des Studios bei Warner im Jahr 1962 hinaus treu. Im Unterschied zu Disney verschwand Jones, der an über 300 Filmen mitwirkte und vier Oscars erhielt, hinter seinen Figuren, gerne zitierte er ein Mädchen, das einmal zu ihm sagte: "Du zeichnest nicht Bugs Bunny, du malst Bilder von ihm."

Und die werden bleiben: Vergangenen Freitag starb Jones im Alter von 89 Jahren an Herzversagen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 2. 2002)

Von
Dominik Kamalzadeh


WEB-TIPP:

chuckjones.com

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