US-Generalstabschef Myers: Bin Laden könnte noch leben

25. Februar 2002, 06:21
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Rumsfeld vermutet Bin Laden noch in Afghanistan - Mehr als 200 deutsche KSK-Soldaten im Einsatz

Washington - Der Chef des Generalstabs der US-Streitkräfte, General Richard Myers, geht offenbar davon aus, dass der als Extremist und Drahtzieher der Anschläge vom 11. September gesuchte Osama bin Laden noch lebt. Myers sagte am Sonntag im US-Fernsehen, zwar sei möglich, dass Bin Laden tot sei, aber das Gegenteil sei wahrscheinlicher, dass er noch lebe.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in einer anderen US-Fernsehsendung, es gebe aber keine neuen Hinweise darauf, dass Bin Laden noch am Leben sei. Als am ehesten wahrscheinlich sei anzunehmen, dass sich der aus Saudiarabien gebürtige Chef der Extremisten-Organisation El Kaida noch immer irgendwo in Afghanistan aufhalte. Er gehe aber nicht davon aus, dass Bin Laden noch in der Lage sei, neue Attacken zu organisieren, fügte Rumsfeld hinzu.

In einem Bericht der "New York Times" waren zuvor hohe US-Regierungsvertreter zitiert worden, es sei davon auszugehen, dass sich Osama bin Laden irgendwo im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan aufhalte. "Wir sind recht sicher, dass Bin Laden lebt und wir denken, er ist irgendwo zwischen Afghanistan und Pakistan", zitierte das Blatt einen Vertreter der Regierung in Washington.

Nach den massiven US-Luftangriffen auf Bin Ladens Bergfestung Tora Bora fehlt von ihm jede Spur. Es war spekuliert worden, dass Bin Laden bei den Angriffen oder durch Nierenversagen ums Leben kam. Als mögliche Zufluchtsorte wurden neben entlegenen Gebieten in Afghanistan und Pakistan unter anderem auch der Iran und Jemen genannt.

Die USA machen Bin Laden für die Anschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen rund 3000 Menschen getötet wurden. Die USA hatten am 7. Oktober, unterstützt von Großbritannien, ihren Krieg gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan begonnen. Den radikal-islamischen Taliban warfen sie vor, Bin Laden und seinen El-Kaida-Führern Unterschlupf gewährt zu haben.

Mehr als 200 deutsche Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sind bei der Suche nach Terroristen der El-Kaida-Organisation von Bin Laden in Afghanistan eingesetzt. Diese Zahl nannte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Helmut Wieczorek (SPD), am Sonntagabend in der ARD-"Tagesschau". Er sagte, dieser Umfang sei durch den Beschluss des Bundestags gedeckt. Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte zuvor bestätigt, sich KSK-Soldaten an der Seite von amerikanischen und britischen Soldaten im Kampfeinsatz in Afghanistan befinden. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte über 80 bis 100 KSK-Soldaten berichtet.

Das Parlament hatte Mitte November dem Einsatz von bis zu 3.900 Bundeswehrsoldaten im Kampf gegen den Terror zugestimmt. In dem Beschluss war auch die Bereitstellung von rund 100 Spezialkräften festgelegt worden. (APA/Reuters)

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