Die Farbe Lila

20. März 2002, 12:43
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Extravagant und exklusiv, imperial und sakral, mystisch und magisch: Die Farbmischungen aus Blau und Rot symbolisieren in vielen Kulturen Transzendenz und eine höhere Macht. In der Natur erscheinen sie in unzähligen Nuancen - eine schöner als die andere.

"Ein Veilchen auf der Wiese stand / gebückt in sich und unbekannt / es war ein herzig's Veilchen. . ." So beginnt ein berühmtes Gedicht von Johann Wofgang von Goethe. Zugegeben: Mit seinen kleinen Blüten wird das Veilchen trotz seines intensiven Duftes leicht übersehen, obwohl deren leuchtendes Violett einen schönen Kontrast zum grünen Laub bildet.

Da tut sich das Leberblümchen doch schon leichter: nicht nur, weil seine Blüten deutlich größer sind, sondern auch, weil zu seiner Blütezeit der Garten noch so winterlich nackt daliegt, dass jeder Farbtupfer auffällt. Erst recht gilt das natürlich für den Krokus, der vor allem in der Farbkombination Lila mit gelben Staubgefäßen jetzt überall einen echten Blickfang darstellt.

Farbe der Könige

Wie ja Violett überhaupt "eine wunderbare Farbe zum Kombinieren ist", verrät Veronika Walz, die Vorträge und Seminare zum Thema Farbgestaltung im Garten abhält. "Wer es auffallend mag, kann zum Beispiel Violett mit Rot mischen: Knallrote Tulpen in einem dunkelvioletten Stiefmütterchenbeet ergeben einen prächtigen Effekt."

Weißlicheres Violett nennt man Lila, rötlicheres Purpur, bläulicheres Mauve. Doch Vorsicht: Je dünkler der Farbton, desto größer ist die Gefahr, dass die Blüten im Schatten düster und traurig wirken, also erst in der Sonne ihre Leuchtkraft entfalten. In anderen Bereichen, zum Beispiel den christlichen Religionen, wird diese düstere, mystische Stimmung durchaus bewusst herbeigeführt, etwa in den Fastenzeiten vor Weihnachten und Ostern.

Die "Farbe der Könige" blieb auch quer durch die Geschichte der "höheren Macht", seien es nun Kardinäle, Monarchen oder Götter, vorbehalten - wohl nicht zuletzt wegen ihrer teuren Herstellung aus der Purpurschnecke. Dafür war ausgerechnet ein Violettton der erste Farbstoff, der synthetisch hergestellt werden konnte: Mauvein bzw. Anilinpurpur, das der Engländer William H. Perkin Mitte des 19. Jahrhunderts zufällig auf der Suche nach einem Malariamedikament entdeckte.

Magie und Feng Shui

Doch nicht nur in unserer westlichen Kultur gilt Violett als magische Farbe. Die Mischung aus warmem Rot und kaltem Blau ist in jeder Nuance voller Spannung, und Feng-Shui-Leitlinien empfehlen Lila als Farbe der Harmonie und des Glücks, idealerweise in der Nordecke des Gartens. Aufgrund der Lichtverhältnisse empfehlen sich dafür Glockenblumen oder Iris (vulgo Schwertlilien), die auch im Schatten gedeihen.

Wie Iris ja überhaupt - neben den meist assoziierten Lila-Vertretern Flieder, Veilchen, Lavendel und Clematis - zu den Pflanzen mit der größten Vielfalt an Violetttönen gehören. Im blv-Verlag ist kürzlich ein kleiner, feiner Bildband erschienen, in dem Europas Iris-Züchterin Nr. 1, Aglaja von Rumohr, viele Sorten mit beeindruckenden Fotos vorstellt .

(DER STANDARD, Printausgabe vom Samstag/Sonntag, 23./24. Februar 2002)

Von
Marie-Therese Gudenus
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