Stephan Eberharter: Gold, fast am Ende eines langen Weges

22. Februar 2002, 19:57
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Wer ihn kennt, weiß, dass man ihn kennen muss

Menschen, die Stephan Eberharter näher kennen, sagen, dass man ihn näher kennen muss. Wie alle wissen, hat Eberharter in Salt Lake City die Goldmedaille im Riesenslalom gewonnen, es war in seinem letzten olympischen Auftritt der erste Titel. "Turin geb' ich mir nimmer", sagt Eberharter und meint die Spiele 2006.

Er ist der erste Skifahrer des Landes mit vier Olympiamedaillen. Eine hatte Eberharter 1998 in Nagano geholt, nämlich Silber im Riesenslalom, drei holte er in Salt Lake City, wo er mit Bronze in der Abfahrt, Silber im Super-G und eben Gold im Riesenslalom das ganze Menü aß. "Mit Statistiken beschäftige ich mich nicht", sagte der Tiroler nach getaner Arbeit, "Rekorde sind für mich nicht bedeutsam, sie sind nur dazu da, dass sie gebrochen werden."

Eberharter (32) ist im Tiroler Zillertal daheim, aber nicht oft zu Hause. In Stumm hat ihn der Vater vor 28 Jahren zum ersten Mal auf Skier gestellt, und zwei Jahre später schon bestritt der "Steff" seine erste Konkurrenz. Fahrten zu diversen Kinderrennen am Wochenende gerieten oft zu Familienausflügen, die Brüder Christoph und Alexander waren schließlich ebenfalls talentiert, und allein wollte die Mutter auch nicht daheim bleiben. Stephans Weg war vorgezeichnet, er führte ihn in die Skihauptschule (Neustift), in die Skihandelsschule (Stams) und zum Diplom (staatlich geprüfter Skilehrer).

In der Karriere des Rennläufers ist zunächst alles sehr schnell gegangen. Siege in Kinderrennen, Siege bei den Jugendlichen, Europacup-Gesamtsieg 1988, Nationalteam. Dann die WM 1991 in Saalbach-Hinterglemm, der Steff, ein junger, unbekümmerter Spund, ist plötzlich Weltmeister in der Kombination und im Super-G. Plötzlich war er wer, und ganz Österreich umarmte ihn und hob ihn auf die Schultern und hörte ihm zu, als er auf der Harmonika spielte.

So schnell ist es dann nicht weitergegangen. Er fiel in ein Loch, hatte Probleme mit Verletzungen und mit dem Material, stand bald ohne Nationalteam da und ohne Publikum beim Musizieren. "Aber ich hab' nie aufgegeben", sagt Eberharter heute, "ich hab' immer an mich geglaubt. Zum Psychiater wollten sie mich schon schicken, aber ich hab' dankend abgelehnt." Er ging denselben Weg noch einmal, gewann 1997 den Europacup, fuhr in der folgenden Saison im Riesenslalom von Tignes auf Anhieb und mit Startnummer 42 auf Rang vier, feierte im Riesenslalom von Crans Montana seinen ersten Weltcup-Sieg.

Die Jahre haben Eberharter verändert, er lässt jetzt nicht mehr jeden an sich heran. Ob er nun die Harmonika auspacken werde, wurde er nach dem Olympiasieg gefragt. "Vielleicht", sagte er. Zuhören dürfen so oder so nur noch Menschen, die Stephan Eberharter näher kennen.

Von Fritz Neumann
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