Erfolg mit Stammtischbanking

22. Februar 2002, 19:19
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Gelassener Bilick auf Übernahmen und Neustrukturierungen der Konkurrenz - RZB-General Walter Rothensteiner im STANDARD-Gespräch

TANDARD: Österreichs Banken verfolgen recht unterschiedliche Expansionsstrategien. Die Bank-Austria-Gruppe hat sich mit einem großen Auslandspartner zusammengeschlossen. Die Erste Bank versucht, aus Österreichs Sparkassen einen Konzern zu zimmern, und kauft im Ausland kräftig zu. Die Bawag hat die P.S.K. gekauft. Bei Raiffeisen gibt es hingegen kaum sichtbare Zeichen von Veränderungen. Welcher Weg wird sich bewähren?

Rothensteiner: Die Marktentwicklung gibt uns Recht, wir konnten in den letzten Jahren immer Marktanteile gewinnen. Unsere Philosophie ist, Entscheidungen nah am Kunden zu treffen. Unsere Betreuer sitzen vielleicht viermal in der Woche am Stammtisch mit ihren Kunden zusammen, da ist einfach die Bindung größer und der Informationsstand besser, nach dem Motto: Das Bankgeschäft ist lokal und bleibt es, aber überall ist die komplette Palette der Bankdienstleistungen verfügbar.

STANDARD: Konkurrenten kritisierten immer wieder zu niedrige Gewinnmargen damit, dass es große Banksektoren in Österreich gibt, die nicht die Ertragskraft als erste Priorität gesetzt haben. Damit war auch der Raiffeisensektor gemeint.

Rothensteiner: Das ist leicht zu wiederlegen. In den Ertragsstatistiken der Nationalbank führen die Volksbanken, dann kommt schon Raiffeisen. Natürlich gibt es Bemühungen, im Hintergrund, im so genannten Back-Office-Bereich, noch besser zu werden und Synergieeffekte zu nutzen. Sicher ist aber, dass wir unser bekanntes Gesicht behalten werden. Wenn plötzlich eine kleine Gemeindebank eine Filiale von Wien würde, wäre unser Konzept tot. Im Übrigen unterstützt die Eigenständigkeit unternehmerisches Denken. Die Dreistufigkeit steht auch in Zeiten von Fusionen nicht zur Debatte.

STANDARD: Einige Raiffeisenbanken üben aber wegen Veranlagungsbestimmungen den Aufstand. Sie wehren sich nachdrücklich dagegen, ihre Liquiditätsreserven zu niedrigen Konditionen bei den Raiffeisen-Landesbanken zwangsweise anzulegen.

Rothensteiner: Das ist ein alter Hut. Schon 1993 haben die Institute einen Streit vor dem Verfassungsgerichtshof verloren. Die Banken bekommen von den Landesbanken Dienstleistungen aller Art. Und dafür legen sie einen Teil ihrer liquiden Mittel bei den Landesbanken an. Selbst wenn die EU da etwas ändern sollte: Die Banken haben das ja zuerst einstimmig beschlossen. 98 Prozent sind damit sehr zufrieden und würden auch so weitermachen.

STANDARD: Wie läuft die Partnersuche für ihre Auslandsaktivitäten?

Rothensteiner: Wir haben Zeit. Wir können uns nur einmal verkaufen und stellen an den Partner hohe Ansprüche: Er muss viel Geld haben und gut zu uns passen.

STANDARD: Wie lief 2001?

Rothensteiner: Der Vorsorgebedarf ist um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Dennoch wird das Ergebnis insgesamt besser ausfallen als im Jahr davor. Unsere Kundenbasis wächst recht rasch: Auch, weil die anderen fusionieren. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 23.2.2002)

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