"Ich wollte einfach Spaß haben"

22. Februar 2002, 20:00
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Die Australier sind im Medaillenspiegel vor Austria - gewesen. Stephan Eberharter hat Österreich in Salt Lake City die zweite und vor allem sich selbst die erste Goldmedaille geschenkt

Salt Lake City - Am Abend hat Alanis Morissette gesungen, Tausende Menschen haben zugehört und gejubelt, die Karten erzielten Preise jenseits der 500 US-Dollar, Stephan Eberharter gab's quasi gratis dazu. Es ist in Salt Lake City ein schöner, wenn nicht der schönste Brauch gewesen und ist es bis Sonntag noch, an die Siegerehrungen am Abend in einem Stadion im Zentrum der Stadt ein Konzert anzuhängen. Eberharter freilich hatte das Pech, nicht bleiben zu können, ein Olympiasieger wird nach seinem Olympiasieg ordentlich herumgereicht, er kriegt einen regelrechten Stress.

Kein Druck

In der Früh, sagt Eberharter, sei er noch locker drauf gewesen, er habe keinen Druck verspürt, sich gesagt, dass er ja zwei Medaillen bereits gewonnen habe, damit schon ordentlich bedient sei in Salt Lake City. Auch an die Australier, die die Welt schon auf den Kopf gestellt sahen mit ihren zwei Goldenen, habe er keinen Augenblick gedacht. "Ich habe mich auf mein Rennen konzentriert, ich wollte einfach Spaß haben beim Fahren. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich nicht ab und zu an die Goldmedaille gedacht habe, aber es hat wirklich Spaß gemacht. Das war ein sehr spezieller Tag für mich, es war heute eben mein Tag. Heute bin ich der Glückliche."

Kaum ein österreichischer Journalist würde sich noch trauen, Eberharter auf einen gewissen Hermann Maier anzusprechen, die Amerikaner aber pfeifen sich auch in der Beziehung gar nichts, also musste Eberharter sagen: "Ich hab' mich nicht mit dem Hermann beschäftigt in letzter Zeit. Er ist ein super Skifahrer, er war in den letzten Jahren derjenige, den man schlagen musste - jetzt ist er verletzt. Ich denke nicht an ihn, ich denke an mich und an mein Rennen."

Die Amerikaner

Die Amerikaner geben nicht auf, Eberharter muss auch über Bode Miller etwas sagen, der ist im Riesenslalom schließlich Zweiter geworden hinter ihm und vor dem Norweger Lasse Kjus, der seine 15. Medaille bei einem Großereignis holte. Und die Amerikaner wollen jetzt wissen, wie denn die Kooperation zwischen den österreichischen und den US-Skifahrern aussieht. Sie sieht so aus, dass man sich ab und zu eine Piste und einen Kurs teilt beim Trainieren. Eberharter: "Wir zeigen den Amerikanern nicht, wie man Ski fährt. Das wissen die schon." Und natürlich sei auch Miller ein super Skifahrer. Jetzt sind die Amerikaner zufrieden.

Miller selbst ist noch nicht ganz zufrieden, die zwei Silbernen in der Kombi und im Super-G seien schön. "Aber nicht alles." Alles wäre Gold, alles kann er am Samstag im Slalom noch gewinnen. Österreich setzt auf Rainer Schönfelder, Kilian Albrecht, Manfred Pranger und Benjamin Raich, der im Riesenslalom nur knapp hinter Kjus den vierten Platz belegte. Schönfelder, der Kitzbühel-Sieger, will das olympische Rennen sehen "wie jedes andere. Olympia - alles schön und recht. Aber man soll das nicht überbewerten, der Sport ist sehr kurzlebig, jeden Tag gibt's neue Sieger, jeden Tag wird ein alter Sieger abgelöst."

Etwas Besonderes

Männer wie Eberharter oder die beiden Norweger freilich haben schon einen fixen Platz in der Skigeschichte. Aamodt und Kjus sind im Gegensatz zu Eberharter, der am Freitag schon in die Heimat abreiste, auch am Samstag dabei, vier Medaillen haben die beiden in Salt Lake City schon gewonnen, Aamodt zweimal Gold, Kjus Silber und Bronze. "Ich bin wirklich sehr zufrieden", sagte der lässige Lasse nach dem Riesenslalom. Und nett, wie er ist, fügte er noch hinzu: "Stephan Eberharter hat hier etwas ganz Besonderes geschafft, er ist ein verdienter Sieger." (fri)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 22./23.2. 2002)
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