Frank Stronach, der Wald und die Jobs

22. Februar 2002, 21:26
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St. Valentin stimmt über Kraftwagen-Teststrecke des Magna-Konzerns ab

St. Valentin - Wichtig sei vor allem das Grün, betont Johann Stadlbauer von der Initiative Herzograder Wald. Der Wald als Luftreservoir, als Ruhepol - Eigenschaften, die das in Besitz von Frank Stronachs Magna-Konzern befindliche Grundstück zu verlieren drohe. Wenn dort, wie vom Gemeinderat abgesegnet, eine Kraftwagen-Teststrecke des Konzerns entstehen sollte.

In diesem Fall, so Stadlbauer, müssten 4000 Menschen "in unmittelbarer Umgebung" des Parcours, mit Lärm- und Geruchsbelastungen leben. Besser also, die Umwidmung des derzeitigen Grünlandgebiets zu unterbinden: Durch ein Grünland befürwortendes Votum bei der Volksbefragung am kommenden Sonntag. "Die Streckenführung mitten durch das Naherholungsgebiet ist durch nichts zu rechtfertigen", bekräftigt Brigid Weinzinger von Niederösterreichs Grünen.

Bürgermeister Manfred Mießner (SP) widerspricht: "Wichtig sind vor allem Arbeitsplätze in der Region." Konkret gehe es "vorerst um 100, mittelfristig um 500 Jobs" an der Strecke selbst sowie um 200 aus Steyr zu übersiedelnde. Letzteres, weil der Konzern sein Engineering-Center samt Forschungsbereich und Produktionsbetrieb nach St. Valentin zu verlegen gedenke - falls die Teststrecke gebaut werde. Warum er im Mai des Vorjahres erst Nein zu dem Projekt gesagt habe, wie 2600 Bürgerinnen und Bürger per Unterschriftenliste auch, und später dann Ja? "Drum haben wir das Projekt ja verändert!", reagiert Meißner.

Nach der anfänglichen Ablehnung des Projekts hatten sich Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann sowie Landeshauptmann Erwin Pröll (beide VP) für die Teststrecke eingesetzt. Nach geschlagener Abstimmung, so Meißner, werde man sich "im Gemeinderat gründlich zusammensetzen müssen": "Das Ergebnis ist politisch ja nicht bindend."

Wichtig sei vor allem das Ja zur Teststrecke, führt Magna-Sprecher Andreas Rudas ins Treffen: "Das Beispiel Traiskirchen sollte zu denken geben: Eine Produktionsanlage ohne Forschungsbereich kann heutzutage keine Jobsicherheit mehr bieten." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.-24.2. 2002)

Von Irene Brickner
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