Großer Schaden und noch größere Gefahren durch Wirtschaftskriminalität

22. Februar 2002, 22:04
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Jährlich werden Milliarden ergaunert

Wien - Ein Schaden von einer Milliarde Euro (13,76 Milliarden Schilling) entsteht der heimischen Wirtschaft jährlich durch organisierte, global vernetzte Kriminalität. Europaweit schätzt man bei Interpol sogar 400 Milliarden Euro Schaden.

Diese Daten nannte der Leiter der Kriminalpolizei, Herwig Haidinger, bei der Enquete "Sicherheit und Wirtschaft" der Exekutive, bei der in Wien Strategien zur Bekämpfung der organisierten Wirtschaftskriminalität besprochen wurden. Haidinger konstatiert, dass Wirtschaftskriminelle zumeist sehr gebildete Menschen seien, mit guten Sprachkenntnissen und großer Berufserfahrung. Und sie würden gezielt in Ländern operieren, in denen Rechtshilfeersuchen langwierige Verfahren nach sich ziehen - parallel würden die Täter rasch im Internet kommunizieren.

Nach aktueller Erhebung (Daten 2000) wurde in 184 Fällen wegen des Verdachts der Geldwäsche eine Behörde verständigt. 19 Personen wurden durch die Justiz verfolgt. Rund 90-mal ersuchten andere Staaten die Österreicher um Ermittlungshilfe in solchen Fällen. Als entscheidend im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität sieht die Polizei das Abschöpfen von Gewinnen aus illegalen Geschäften an.

Beim neu eingerichteten Bundeskriminalamt - DER STANDARD berichtete - werden drei Spezialabteilungen gegen die Wirtschaftskriminalität aufgebaut: eine wird internationale wirtschaftliche Zusammenhänge analysieren, ein Referat für Zielfahndungen wird eingerichtet, EDV-Experten werden sich mit Datensicherung beschäftigen.

Robert Maierhofer, Computerspezialist im Bundeskriminalamt, warnt Unternehmer, Gefahren durch Viren und Computerhacker zu unterschätzen. In vielen Fällen bleibe unbemerkt, dass Homepages von Unbekannten manipuliert würden. Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres habe man aber schon fast so viele Anzeigen, wie im gesamten Vorjahr registriert. Diese Form der Kriminalität nehme stark zu.

Innenminister Ernst Strasser (VP) und Walter Nettig, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, bekräftigten, dass Exekutive und Unternehmer künftig verstärkt gegen die Wirtschaftskriminalität zusammenarbeiten wollen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.2.2002, aw)

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