Schlussverkauf beginnt mit A1

22. Februar 2002, 17:19
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Telecom Italia bricht Zelte in Wien ab - Telekom-Austria-Verkauf im Endspurt

Wien - Bei der Telekom Austria (TA) dürfte ein Eigentümerwechsel unmittelbar bevorstehen. "Im Februar ist die Zeit des Ausverkaufs, und da feilscht man eben um den Preis", zitieren gut informierte Unternehmenskreise einen Spitzenmanager der Telecom- Italia-Gruppe (TI).

Als deutliches Indiz, dass sich die von ÖIAG-Chef Peter Michaelis als "angespannt" bezeichneten Verhandlungen im Endspurt befinden, werten Insider, dass TI-Spitzenmanager dieser Tage nach Wien gekommen sind, um der ÖIAG und Finanzminister Karl-Heinz Grasser ihren Verkaufsvorschlag zu präsentieren.

Strategieplan

An Entschlossenheit mangelt es den Italienern, die an der TA 29,8 Prozent und (über ihre Handytochter Tim) an A1 Mobilkom 25 Prozent plus eine Aktie halten, nicht. Die TI schließt gerade ihre Niederlassung in Wien. Und: Im neuen TI-Strategieplan kommt Österreich überhaupt nicht mehr vor. Dieser sieht, zum Leid der TA-Aktionäre, einen getrennten Verkauf von Festnetz-Mutter (samt Jet2web Internet und Datakom) und Mobilkom vor. An A1 und deren Töchtern Vipnet (Kroatien), Si.mobil (Slowenien) und Mobilkom Liechtenstein sei - entgegen anderslautenden Gerüchten - Vodafone "sehr interessiert", heißt es in TI-Kreisen.

Die Schwierigkeit dabei: Die Italiener können nur über ein Viertel der Mobilkom verfügen, und ohne Zustimmung des TA-Hauptaktionärs ÖIAG geht gar nichts. Detail am Rande: Bei einer Präsentation der TA-Gruppe auf der Wiener EDV-Messe Exponet fehlte die Mobilkom bereits im Organigramm. Weil A1 eine eigenständige Marke sei, wie es inoffiziell heißt.

4,6 Milliarden Euro

Mit dem Erlös aus dem A1-Verkauf - das Investmenthaus SchroderSalomonSmithBarney schätzte den Wert jüngst auf gut 4,6 Mrd. € (63,29 Mrd. S) - wäre die TA nicht nur mit einem Schlag entschuldet, sie könnte der ÖIAG sogar eine fette Sonderdividende abliefern. Womit die ÖIAG genug Geld hätte, um die TI aus der TA auszukaufen.

In diesem Fall wäre aber ein Übernahmeangebot an den Streubesitz fällig, und die TA würde vom Kurszettel der Wiener Börse verschwinden. Michaelis hat bereits ventiliert, dass er seinem Aufsichtsrat bei einem "attraktiven Szenario" ein Delisting sogar "empfehlen" würde. "Ich befürworte ein alternatives Ausstiegsszenario nur, wenn dies deutliche Vorteile gegenüber einem Delisting bringt", so Michaelis.

Um der Wiener Börse diesen schweren Schlag zu ersparen, könnte der italienische Anteil bei Banken oder Fonds "geparkt" werden. Von TI-Unternehmenskreisen wird dafür auch die Unicredito ins Spiel gebracht - "falls die ÖIAG weiterhin auf der Bremse steht", wie es heißt. Dem Regierungsauftrag folgend, könnte die ÖIAG später einen weiteren Privatisierungsschritt setzen. Angesichts der neuen Wertsteigerungsstrategie der ÖIAG befürchtet man in der ÖVP allerdings, dass die TA wieder zur Gänze ins Staatseigentum rückgeführt werden könnte. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 23.2.2002)

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