Italienische Genua-Ermittler ziehen Zwischenbilanz

22. Februar 2002, 16:48
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Befragungen in Berlin seien "sehr nützlich" gewesen - Demonstranten würden "nur" formal als Beschuldigte befragt

Berlin - Italienische Ermittler haben in Berlin eine positive Zwischenbilanz ihrer Befragung deutscher Globalisierungsgegner gezogen, die sich als Opfer von Übergriffen der Polizei beim G8-Gipfel in Genua sehen. Die seit einer Woche laufenden ersten Befragungen in Berlin seien "sehr nützlich" gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Francesco Pinto am Freitag in Berlin vor der Presse.

Im Beisein von Pinto und einem weiteren italienischen Oberstaatsanwalt hat die Berliner Staatsanwaltschaft bisher zehn deutsche Globalisierungsgegner vernommen, die bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen während des Welt-Wirtschaftsgipfels im Juli vergangenen Jahres verletzt wurden. In Berlin sollen noch sechs und im übrigen Bundesgebiet 24 weitere Globalisierungsgegner vernommen werden.

"Formal" Beschuldigte

Die beiden italienischen Oberstaatsanwälte widersprachen Vermutungen, ihre Ermittlungen würden sich gegen die Betroffenen richten. "Grundsätzlich werden diese Personen von den Ermittlungsbehörden in Italien als Opfer von Übergriffen der Polizei angesehen und als Zeugen vernommen", sagte Pinto. Nur aus formalen Gründen würden die Gipfel-Kritiker auch als Beschuldigte befragt.

Während des von Krawallen begleiteten Gipfels wurden etwa 300 Personen vorübergehend festgenommen, darunter 71 Deutsche. Betroffen waren auch acht Mitglieder der österreichischen VolxTheaterKarawane, die nach dem Gipfel wegen des Verdachts von Verbindungen zur Anarchistengruppe Black Block festgenommen und drei Wochen in U-Haft gehalten worden waren. Die beiden derzeit in Berlin ermittelnden Italiener wollen nach eigenen Angaben die Vorfälle an drei Orten in Genua aufklären. Der Schwerpunkt liege auf dem Vorgehen der Polizei in einer Schule.

Zahlreiche Demonstranten verletzt

Bei der Razzia der Polizei waren zahlreiche Demonstranten, die dort übernachtet hatten, verletzt worden. Im Rahmen ihres Ermittlungskomplexes seien bisher 70 Verfahren gegen italienische Polizisten, darunter auch gegen Führungskräfte des Polizeistabes, eingeleitet worden, sagte Pinto. (APA/Reuters)

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