"Es gibt einen Gott"

9. Juli 2004, 10:17
1 Posting

Ohne politischen Druck und die Spendengelder für Wahlkampagnen hat die Deregulierung künftig wenig Chancen

Ohne den politischen Druck und die Spendengelder für Wahlkampagnen hat die Deregulierung künftig wenig Chancen. Wenn die konkreten Geschäftsdaten, also Preise und die dafür gebotenen Dienstleistungen, allein den Ausschlag gäben, würden die meisten Stadtverwaltungen sofort ein eigenes oder kommunal kontrolliertes Kraftwerk dem Enron-Modell vorziehen. Das Beispiel der Deregulierung in Kalifornien war in dieser Beziehung pädagogisch wertvoll: Im ganzen Staat schossen die Strompreise in die Höhe - außer in Los Angeles, wo die Stadtverwaltung ihre eigenen Stromversorgungsbetriebe besitzt.

Theologische Einsicht

Ein Hauptmerkmal der New Economy der Neunzigerjahre war die Unterwerfung von so prosaischen Dingen wie dem Dienst am Bürger unter die Ideologie des Marktes. Die Märkte, wurde uns gepredigt, sind immer besser und immer demokratischer, zu allen Zeiten und in allen Branchen. Die Presse hat in diesem Chor der Marktvergötterung lange Zeit mitgejubelt. Doch mittlerweile haben wir eine theologische Einsicht gewonnen, die wir dem Leiter eines kommunalen Betriebs in Kalifornien verdanken. Als er vom Enron-Bankrott hörte, gab er einen Stoßseufzer von sich und sagte: "Es gibt einen Gott." (Tom Frank)

Ground Zero der Deregulierung     Mythos Enron     Verstrickungen mit der Politik

Share if you care.